
„Eine andere Welt, eine neue Welt!“
Die Kuratorin Sophie Haslinger verfolgt seit vielen Jahren die Karriere des deutschen Künstlers Julius von Bismarck (* 1983) und ist daher sehr erfreut, seine erste große institutionelle Einzelausstellung in Österreich organisiert zu haben. Haslinger findet seine vielfältigen Arbeiten nicht nur in visueller Hinsicht faszinierend, sondern interessiert sich dabei besonders für die wissenschaftliche Recherche, die offensichtlich einen großen Teil davon ausmacht.
Die Frage, die sich durch von Bismarcks Werk zieht („Inwieweit wird die Sicht des Menschen auf die Natur davon bestimmt, wie die Kunst sie uns präsentiert?“), deckt sich mit der Intention der Kuratorin. Durch die Verwendung von Bildproduktion, um Widersprüche in der Wahrnehmung der Natur durch den Menschen aufzuzeigen, will diese Ausstellung das Publikum gleichzeitig provozieren, unterhalten, herausfordern, erschrecken und beruhigen. Für die Ausstellung „Normal Catastrophe“ schuf Julius von Bismarck, der erste Gewinner des Prix Ars Electronica Collide@CERN Residency Award für digitale Kunst, neben einer Auswahl medienübergreifender Arbeiten aus den letzten fünfzehn Jahren neue fotografische Arbeiten. Zu sehen sein wird außerdem ein sehr großes Triptychon mit dem Titel „The Day the Ocean Turned Black“.
Julius von Bismarck hat sich darüber hinaus intensiv mit dem Thema Feuer beschäftigt. Sowohl entsetzt als auch künstlerisch angeregt durch die schrecklichen Brände, die Los Angeles verwüsteten, reiste er Anfang 2025 dorthin und fotografierte ausgiebig, oft in der Nacht. Diese Fotoserie bewegt sich zwischen dokumentarischer Präzision und künstlerischer Absicht. Der Künstler möchte uns daran erinnern, dass Feuer nicht nur der Motor der Zivilisation ist, sondern dass die massive Fossilverbrennung unserer Zeit unheimlich und unüberlegt ist. Die Arbeiten von Julius von Bismarck wandern zwischen Poesie und Bedrohung, ohne dass man dies bewusst wahrnimmt. Die markanten Gesten, zu denen sich von Bismarck hinreißen lässt, und seine Experimentierfreudigkeit lassen den Künstler Ólafur Elíasson in den Sinn kommen.
Der Künstler begibt sich immer wieder gerne in extreme Situationen, die ihm körperlich viel abverlangen. In ausgestellten Werken wie „Punishment“ (2011–2012) kämpft von Bismarck bis zur Erschöpfung und dennoch vergeblich gegen die tosende See. In „Talking to Thunder“ (2016–2017) reiste der Künstler auf der Suche nach Blitzen, um dieses Phänomen zu erforschen. Dafür entwickelte er ein eigenes Gerät, um Blitze einzufangen und auf den Boden zu leiten. Ob Feuer, Blitzeinschläge oder Sturmfluten – die Erforschung der Naturgewalten Feuer und Wasser in einem Lebensraum, der zunehmend vom Menschen verändert wird, bildet den roten Faden der Ausstellung.
Mit innovativer Offenheit schafft Julius von Bismarck visuelle Areale, die die Grenzen traditioneller Perspektiven aufzeigen und neue Blickwinkel auf die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt eröffnen. Weitere Highlights: Eine ortsspezifische Intervention ist inmitten der Grünanlage des Innenhofs des Museums installiert, und der Künstler selbst wird am Dienstag, den 9. September, bei einem Künstlergespräch zur Ausstellungseröffnung anwesend sein.
Dr. Renée Gadsden war bei der 40. Malaktion von Hermann Nitsch (1997) im Wiener 20er Haus dabei und assistierte bei der allerersten Malaktion „im Geiste von Hermann Nitsch“ die von Kindern im Juni 2025, im Nitsch Museum in Mistelbach, Österreich, durchgeführt wurde.
Julius von Bismarck. Normale Katastrophe
10.9.2025 – 8.3.2026
Kunst Haus Wien
Untere Weißgerberstr. 13
A-1030 Wien
Tel.: +43-1-7120491
Täglich 10 – 18 Uhr
Eintritt: 16 €, erm. 13 €
www.kunsthauswien.com
Text: Dr. Renée Gadsden
Bild: Kunst Haus Wien
Erstveröffentlichung in kunst:art 105







