
Konstruktion und Poesie
Eine Geschichte der Erweiterung der künstlerischen Medien, eine Geschichte der Emanzipation eines Kontinents, eine Geschichte der jüdischen Emigration aus Nazi-deutschland – das alles wären Kapitelüberschriften, die in der Lebensgeschichte von Gertrud Goldschmidt, die sich selbst Gego nannte, stehen könnten. Ihnen, in der vielfachen Verquickung der Aspekte, kann man nachgehen in der aktuellen Einzelausstellung der Künstlerin, der ersten in der Schweiz überhaupt, im Berner Zentrum Paul Klee. Das über seinen Namenspatron der Moderne verpflichtete Haus stellt mit Gego nicht nur eine für sich genommen interessante künstlerische Position vor, sondern macht gleichzeitig deutlich, dass besagte, heutzutage gerne „klassisch“ genannte Moderne jenseits der kanonischen Namen eine ganze Vielzahl weiterer, schillernder Facetten aufweist.
Gego (* 1912 in Hamburg – † 1994 in Caracas) studierte, ungewöhnlich damals genug für eine Frau, in Stuttgart Architektur, musste jedoch als Jüdin 1938 emigrieren. In Venezuela, wohin es sie verschlug, konnte sie als Architektin einige Erfolge verbuchen, verlegte sich aber dann auf die freie Kunst, wo sie mit Werkstoffen wie Draht, Seilen und Stangen zarte und gleichzeitig strenge Raumkompositionen schuf. Diese waren der internationalen geometrischen Abstraktion zuzuzählen. Und markierten doch auch das Erwachen des südamerikanischen Kontinents als eigenständige künstlerische Kraft.
Fokus. Gego (Gertrud Goldschmidt)
20.9.2025 – 18.1.2026
Zentrum Paul Klee
Monument im Fruchtland 3
CH-3006 Bern
Tel.: +41-31-3590101
Di – So 10 – 17 Uhr
Eintritt: 20 CHF, erm. 10 – 18 CHF
www.zpk.org