
Kann Fotografie auch Zeit?
Natürlich ist die Fotografie ihrem Wesen nach eher statisch, sie zeigt Orte, Personen, Zustände zum Zeitpunkt der Aufnahme. Der Raum aber hat auch eine zeitliche Dimension: Wie kann die Fotografie dies abbilden? Durch zeitversetzte Aufnahmen oder, und das betreibt Dirk Brömmel mit Aplomb, indem man mehrere Aufnahmen, eigene und fremde, schwarzweiße und farbige, kurzerhand übereinanderlegt. Bekannt geworden ist da etwa sein Zyklus „Kanzlerbungalow“, bei dem man beispielsweise vor der minimalistischen (und seinerzeit berühmten) Architektur von Sep Ruf das imposante Kanzlergefährt der 60er- und 70er-Jahre, den mächtigen Mercedes 600 Pullman vorgefahren sieht – der aber entschieden ins Geisterhafte entrückt scheint, was überlagernde abstrakte Farbflächen noch betonen. In ähnlichem Modus begegnen wir vor Ort den blassen Schemen der staatstragenden Prominenz von damals: Schmidt, Genscher, Kiesinger, Carter und wie sie alle hießen.
Die Galerie Hengevoss-Dürkop, im Hamburger Galeriehaus beheimatet, zeigt unter dem Rubrum „Zeiträume“ jetzt das fotografische Schaffen des 1968 geborenen Brömmel. Da haben wir die typischen, grafisch kondensierten, strikten Aufsichten auf diverse Wasserfahrzeuge vom kleinen Bötchen bis zum Tanker, allesamt freigestellt auf monochromen Untergründen. Oder eben die montierten Zeitschichten im obigen Sinne, die sich ähnlich auch in Darstellungen längst vergangener Ausgaben des Oktoberfestes oder der Villen der klassischen Moderne finden.
Dirk Brömmel, Zeiträume. Fotografie
31.10. – 13.12.2025
Galerie Hengevoss-Dürkop
Galeriehaus Hamburg
Klosterwall 13
D-20095 Hamburg
Tel.: +49-40-30393382
Mi – Fr 14 – 18 Uhr, Sa 12 – 15 Uhr
Eintritt frei
www.hengevossduerkop.de
Text: Dieter Begemann
Bild: Galerie Hengevoss-Dürkop
Erstveröffentlichung in kunst:art 106






