Mit dem Inkrafttreten des neuen SPK-Gesetzes am 1. Dezember hat die größte deutsche Kultureinrichtung ihre jahrelange Reform abgeschlossen. Erstmals in 68 Jahren führt ein siebenköpfiges Kollegialorgan die Stiftung – unter der ersten Präsidentin ihrer Geschichte.
Der neu konstituierte Stiftungsrat wählte unter Vorsitz von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer den kollegialen Vorstand, dem neben der im Juni angetretenen Präsidentin Marion Ackermann sechs weitere Mitglieder angehören, wobei sich das Gremium aus der bisherigen Vizepräsidentschaft sowie Direktorinnen und Direktoren verschiedener Einrichtungen zusammensetzt. Als Vizepräsident fungiert weiterhin Gero Dimter, der seit 2019 im Amt ist und nun zusätzlich für soziale Teilhabe, Ehrenamt und Nachhaltigkeit zuständig sein wird.
Die weiteren Vorstandsmitglieder bringen unterschiedliche Kompetenzen ein: Achim Bonte, Generaldirektor der Staatsbibliothek, verantwortet den Bereich Führung und Teamkultur, während Klaus Biesenbach als Direktor der Neuen Nationalgalerie für spartenübergreifende Kooperation zuständig ist. Barbara Göbel vom Ibero-Amerikanischen Institut kümmert sich um die Beziehungen zu Fachgemeinschaften und Forschungsausrichtung, Patricia Rahemipour vom Institut für Museumsforschung um Publikumsansprache, und Matthias Wemhoff vom Museum für Vor- und Frühgeschichte pflegt die strategischen Beziehungen zu den Bundesländern.
Ende eines langen Reformprozesses
Der Strukturwandel geht auf ein vernichtendes Gutachten des Wissenschaftsrats aus dem Jahr 2020 zurück, das der Stiftung attestiert hatte, in Kernbereichen wie Ausstellungen und Vermittlung drohe sie den Anschluss an internationale Entwicklungen zu verlieren. Die ursprüngliche Empfehlung, die Dachstruktur aufzulösen und die Einrichtungen zu verselbständigen, setzten Bund und Länder allerdings nicht um. Stattdessen beschloss der Stiftungsrat im Dezember 2022 eine Reform bei Erhalt des Verbunds, die nun mit dem neuen Gesetz ihren Abschluss findet.
Die Veränderungen betreffen nicht nur die Führungsebene, sondern auch das Aufsichtsgremium, das von zwanzig auf neun stimmberechtigte Mitglieder verkleinert wurde und künftig vier beratende Bundestagsabgeordnete umfasst. Zudem erhalten die fünf Einrichtungen der Stiftung – die Staatlichen Museen zu Berlin mit ihren fünfzehn Sammlungen, die Staatsbibliothek, das Geheime Staatsarchiv, das Ibero-Amerikanische Institut und das Staatliche Institut für Musikforschung – mehr Autonomie und eigene Budgetverantwortung.
Erste Präsidentin nach vier männlichen Vorgängern
Ackermann, die zuvor die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden leitete und davor die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf führte, ist die fünfte Person an der Spitze der 1957 gegründeten Stiftung und löste im Juni Hermann Parzinger ab, der das Amt siebzehn Jahre lang innehatte. Sie betonte anlässlich der Vorstandswahl, es sei ein historischer Tag, da zum ersten Mal in der Geschichte der SPK ein Kollegialorgan die Stiftung führe, und kündigte an, das kulturelle Erbe durch mutige neue Wege lebendig und zugänglich halten zu wollen.
Kulturstaatsminister Weimer bezeichnete das neue Gesetz als Grundlage, die Deutschlands größte Kultureinrichtung zukunftsfest und leistungsfähiger mache, wobei er Ackermann als exzellente Präsidentin würdigte, die das Fundament zu nutzen wisse. Im Januar kommenden Jahres tritt zudem ein neues Finanzierungsabkommen in Kraft, das den jährlichen Zuschuss von Bund und Ländern um zwölf Millionen auf 135 Millionen Euro erhöht – wobei die Länder erstmals seit dreißig Jahren ihren Anteil aufstocken.
Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz verfügt über einen Gesamtetat von rund 400 Millionen Euro und beschäftigt etwa 2.000 Mitarbeiter. Ihre Sammlungen umfassen rund 4,7 Millionen Objekte, darunter Werke von Weltrang wie die Nofretete, den Pergamonaltar und das Ischtar-Tor.
