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Zayed National Museum in Abu Dhabi eröffnet nach 17 Jahren Bauzeit

Norman Fosters Nationalmuseum für die Vereinigten Arabischen Emirate ist fertiggestellt. Das Gebäude mit seinen fünf Stahltürmen in Form von Falkenflügeln gilt als architektonisches Wahrzeichen der Golfregion.

Am 2. Dezember 2025, dem 54. Nationalfeiertag der VAE, eröffnete UAE-Präsident Sheikh Mohamed bin Zayed Al Nahyan das Zayed National Museum auf der Insel Saadiyat vor Abu Dhabi, wobei sämtliche Herrscher der sieben Emirate der Zeremonie beiwohnten. Seit dem 3. Dezember ist das Museum für die Öffentlichkeit zugänglich; der Eintritt beträgt 70 Dirham, umgerechnet etwa 19 Euro, während Besucher unter 18 Jahren das Haus kostenlos betreten können.

Das Museum widmet sich dem Gründervater der Vereinigten Arabischen Emirate, Sheikh Zayed bin Sultan Al Nahyan, und erzählt die Geschichte der Region über einen Zeitraum von 300.000 Jahren. Mehr als 3.000 Objekte umfasst die Sammlung, von denen derzeit etwa 1.500 in sechs permanenten Galerien ausgestellt sind. Zu den Highlights zählen fünf Folios des berühmten Blauen Korans aus dem 9. bis 10. Jahrhundert, ein 18 Meter langes rekonstruiertes bronzezeitliches Handelsboot sowie persönliche Gegenstände Sheikh Zayeds, darunter sein Chrysler Newport aus dem Jahr 1966.

Fünf Stahltürme als thermische Kamine

Die Architektur des britischen Pritzker-Preisträgers Norman Foster verbindet symbolische Kraft mit technologischer Innovation: Fünf Stahltürme, zwischen 73 und 130 Metern hoch und gefertigt aus 13.000 Tonnen architektonischem Stahl, sind den Schwungfedern eines Falken nachempfunden, da die Falkenjagd zu den Leidenschaften Sheikh Zayeds gehörte und zum immateriellen Kulturerbe der VAE zählt. Diese Türme erfüllen zugleich eine praktische Funktion, indem sie nach dem Prinzip traditioneller arabischer Windtürme als thermische Kamine arbeiten und so die Kühlung der öffentlichen Bereiche ohne konventionelle Klimaanlagen ermöglichen.

Das Gebäude ruht auf einem 30 Meter hohen künstlichen Hügel, dessen facettierte Betonpaneele die Topographie des nahegelegenen Jebel Hafit abstrahieren. Vier schwebende, kapselförmige Galerien von jeweils etwa 500 Tonnen Gewicht hängen über dem zentralen Atrium und bieten klimatisch kontrollierte Bedingungen für sensible Artefakte. Ein 600 Meter langer Landschaftsgarten verbindet das Museum mit der Küste und integriert ein funktionierendes Falaj-Bewässerungssystem, das auf jahrhundertealte arabische Wassertechnik zurückgeht.

Eine Baugeschichte mit Verzögerungen

Das Projekt wurde bereits 2006 im Rahmen des Masterplans für Saadiyat Island angekündigt, und Norman Foster gewann den internationalen Architekturwettbewerb 2007. Ursprünglich war die Eröffnung für 2012 vorgesehen, doch die Finanzkrise 2008, Probleme mit Auftragnehmern und die technische Komplexität der bis zu 130 Meter hohen Stahltürme führten zu wiederholten Verschiebungen. Als 2021 die Baufirmen Six Construct und Trojan General Contracting das Projekt vom insolventen Vorgänger Arabtec übernahmen, kam neuer Schwung in die Fertigstellung, sodass das Museum nun nach 17 Jahren Planungs- und Bauzeit seine Türen öffnen konnte.

Offizielle Baukosten wurden nicht veröffentlicht. Zum Vergleich: Das 2017 eröffnete Louvre Abu Dhabi, ebenfalls auf Saadiyat Island gelegen, kostete schätzungsweise 1,3 bis 2 Milliarden US-Dollar inklusive Namensrechte und Leihgaben.

Teil einer 27-Milliarden-Dollar-Kulturoffensive

Das Zayed National Museum bildet das Herzstück des Saadiyat Cultural District, eines 2,43 Quadratkilometer großen Kulturareals mit geplanten Gesamtinvestitionen von rund 27 Milliarden US-Dollar. Neben dem Louvre Abu Dhabi von Jean Nouvel und dem im selben Jahr eröffneten Natural History Museum Abu Dhabi von Mecanoo entsteht derzeit das Guggenheim Abu Dhabi nach einem Entwurf von Frank Gehry, dessen Fertigstellung zu 76 Prozent abgeschlossen sein soll.

Norman Foster, der im Juni 2025 seinen 90. Geburtstag feierte, arbeitet seit fast zwei Jahrzehnten in den Vereinigten Arabischen Emiraten und eröffnete 2008 ein Büro in Abu Dhabi. Das Zayed National Museum ist sein erstes komplettes Museumsgebäude in der Region und ergänzt ein internationales Portfolio, das den Great Court des British Museum in London, das Carré d’Art in Nîmes und das Museum of Fine Arts in Boston umfasst. Auftraggeber und Betreiber des neuen Hauses ist das Department of Culture and Tourism Abu Dhabi unter Vorsitz von Mohamed Khalifa Al Mubarak; als Direktor fungiert der Archäologe Peter Magee.

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