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Ibrahim Mahama führt ArtReview Power 100 an

Der ghanaische Künstler Ibrahim Mahama steht an der Spitze der ArtReview Power 100. Damit erreicht erstmals ein Afrikaner den ersten Platz der einflussreichen Rangliste der internationalen Kunstwelt.

Die am 4. Dezember veröffentlichte Liste würdigt den 1987 in Tamale geborenen Künstler nicht allein für seine monumentalen Installationen aus gebrauchten Jutesäcken, sondern vor allem für den Aufbau kultureller Infrastruktur in seiner Heimat. In Nordghana hat Mahama drei miteinander verbundene Kulturzentren geschaffen, die jährlich mehr als 100.000 Besucher anziehen und in denen wöchentlich rund 2.000 Schulkinder kostenlose Workshops in Robotik, Programmierung und Drohnenpilotierung besuchen.

ArtReview begründet die Wahl damit, dass Mahama beispielhaft für eine neue Generation von Künstlern stehe, die sowohl die Produktions- als auch die Distributionsmittel in die eigene Hand nähmen. Der Künstler leite einen erheblichen Teil seiner Galerieerlöse in Residenzprogramme, Studentenprojekte und Ausstellungen um, wobei er mit der Londoner Galerie White Cube zusammenarbeite, die ihn seit 2015 vertritt.

Vom Jutesack zur kulturellen Infrastruktur

Mahamas künstlerische Praxis kreist seit Jahren um gebrauchte Jutesäcke, die ursprünglich aus Südostasien nach Ghana importiert und dort für den Transport von Kakao, Kohle und anderen Waren verwendet werden. Er näht sie zu monumentalen Patchwork-Textilien zusammen, mit denen er ganze Gebäudefassaden verhüllt, wobei die Materialgeschichte der Säcke Fragen nach globalem Handel, Arbeit und kolonialen Kontinuitäten aufwirft. International bekannt wurde er 2015 auf der 56. Venedig-Biennale unter der Leitung von Okwui Enwezor, zwei Jahre später zeigte er auf der documenta 14 in Kassel und Athen die Installation „Check Point Sekondi Loco“.

Neben seiner künstlerischen Arbeit hat der in Tamale, Accra und Kumasi lebende Mahama seit 2019 das Savannah Centre for Contemporary Art, das Red Clay Studio und die Kulturstätte Nkrumah Volini aufgebaut. Das Red Clay Studio beherbergt unter anderem sechs ausrangierte sowjetische Flugzeuge, die er zu Bibliotheken und Klassenräumen umfunktioniert hat. In der Kunsthalle Wien war bis Anfang November seine Ausstellung „Zilijifa“ zu sehen, die eine ausgehöhlte Diesellokomotive zeigte, welche Ghana einst über Kredite des Internationalen Währungsfonds aus Deutschland und Großbritannien erworben hatte.

Golfstaaten und Künstler dominieren die Liste

Die diesjährige Power 100 zeigt deutliche Verschiebungen in der Machtverteilung der Kunstwelt. Sieben der zehn Spitzenplätze gehen an Künstler, während die großen Mega-Galerien an Einfluss verloren haben. Larry Gagosian fiel von Platz 35 auf 79, Hauser & Wirth rutschte von 28 auf 57 ab. Zugleich festigen Vertreter der Golfstaaten ihre Position: Sheikha Al-Mayassa bint Hamad Al-Thani, die Vorsitzende der Qatar Museums, belegt Platz zwei, Sheikha Hoor Al Qasimi von der Sharjah Art Foundation, im Vorjahr noch auf dem Spitzenplatz, findet sich auf Rang drei.

Unter den deutschen Vertretern sticht Wolfgang Tillmans hervor, der nach längerer Abwesenheit auf Platz zehn in die Liste zurückkehrt. Weitere Deutsche in den vorderen Rängen sind Beatrix Ruf auf Platz 19, Hito Steyerl auf 25 und Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, der Intendant des Hauses der Kulturen der Welt in Berlin, auf Platz 26.

Mahama selbst zeigte sich angesichts der Auszeichnung zurückhaltend. Teil dieser Liste zu sein, sei für jemanden aus Ghana, das lange Zeit kaum Teil des internationalen Kunstdiskurses gewesen sei, eine demütige Erfahrung, sagte er gegenüber ArtReview. Er hoffe, dass jüngere Künstler in seiner Heimat erkennen würden, dass sie Teil der zeitgenössischen Kunstwelt seien. Nur einen Tag vor der Bekanntgabe der Power 100 hatte er bei den erstmals vergebenen Art Basel Awards in Miami Beach die Gold-Auszeichnung in der Kategorie „Established Artist“ erhalten, die mit 50.000 Dollar und einem öffentlichen Auftrag bei der Art Basel im Juni 2026 verbunden ist.

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