Die Smithsonian Institution hat Donald Trumps Porträt in der National Portrait Gallery ausgetauscht. Der neue Begleittext verschweigt seine zwei Amtsenthebungsverfahren.
Am 9. Januar ersetzte das Museum in Washington das bisherige Pressefoto durch eine Schwarz-Weiß-Aufnahme des White-House-Fotografen Daniel Torok, die Trump mit geballten Fäusten am Schreibtisch im Oval Office zeigt. Gleichzeitig verschwand der biografische Text, der Trump als einzigen zweifach angeklagten Präsidenten der US-Geschichte einordnete und den Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 erwähnte. Die neue Beschriftung nennt lediglich Geburtsjahr, Amtszeiten und den Namen des Fotografen.
Bill Clintons Tafel in derselben Galerie dokumentiert weiterhin sein Impeachment wegen der Lewinsky-Affäre, Richard Nixons Text erwähnt den Rücktritt nach Watergate. Trump erhält als einziger Präsident eine verkürzte Darstellung ohne Hinweis auf Kontroversen seiner Amtszeit. Die Smithsonian Institution bezeichnete die Änderung als Teil einer geplanten Aktualisierung, verwies jedoch auf den vollständigen Text, der weiterhin online abrufbar sei.
Systematischer Druck seit März 2025
Der Vorgang fügt sich in eine seit Monaten eskalierende Auseinandersetzung zwischen der Trump-Administration und den Smithsonian-Museen. Im März 2025 unterzeichnete Trump eine Executive Order, die dem Museumskomplex vorwarf, unter den Einfluss einer „spaltenden, rassenzentrierten Ideologie“ geraten zu sein. Im Mai forderte er öffentlich die Entlassung von NPG-Direktorin Kim Sajet, die er als „hochgradig parteiisch“ bezeichnete. Sajet trat im Juni zurück.
Das Weiße Haus hatte dem Smithsonian am 18. Dezember eine Frist bis zum 13. Januar gesetzt, um interne Dokumente zu Ausstellungsinhalten vorzulegen. Der Porträtwechsel erfolgte vier Tage vor Ablauf dieser Frist. Die Institution erhält etwa zwei Drittel ihres rund eine Milliarde Dollar umfassenden Budgets vom Kongress, was sie anfällig für politischen Druck macht.
Die American Historical Association warnte vor einem „Eingriff, der eine einseitige und fehlerhafte Perspektive der amerikanischen Geschichte“ durchsetzen könnte. Über 600 Freiwillige dokumentieren derzeit systematisch Smithsonian-Ausstellungen, um den Zustand vor möglichen weiteren Änderungen festzuhalten.