Die Smithsonian Institution hat Hinweise auf Donald Trumps zwei Amtsenthebungsverfahren aus ihren Museen entfernt. Kritiker sprechen von staatlich verordneter Geschichtsklitterung.
In der National Portrait Gallery in Washington prangt seit wenigen Tagen ein neues Schwarz-Weiß-Porträt des amtierenden Präsidenten, doch der begleitende Wandtext verschweigt einen historischen Fakt: Donald Trump ist der einzige US-Präsident, der zweimal einem Impeachment-Verfahren unterzogen wurde. Statt der ursprünglich vorgesehenen biografischen Einordnung, die beide Verfahren und die Freisprüche durch den Senat erwähnte, findet sich neben dem Foto nur noch ein sogenanntes Tombstone Label mit Geburtsjahr, Amtsbezeichnung und Fotografen-Credit.
Das Smithsonian begründet die Änderung mit einer „geplanten Aktualisierung“ der Präsidentengalerie, bei der man „Zitate oder Kurzlabels“ erprobe. Das Weiße Haus hingegen feierte die Hängung des Porträts als historischen Moment, ohne auf die Textkürzung einzugehen.
Wiederholungsmuster
Der Vorgang reiht sich in ein bekanntes Muster ein, denn bereits im vergangenen Juli hatte das National Museum of American History eine Informationstafel zu Trumps Impeachments aus der Ausstellung „The American Presidency“ entfernt, wobei das Museum seinerzeit eine routinemäßige Inhaltsüberprüfung als Grund angab. Nach öffentlichem Druck und scharfer Kritik demokratischer Senatoren wurde die Tafel zwar wiederhergestellt, allerdings mit abgeschwächter Formulierung: Bei der Beschreibung der Ukraine-Affäre fügte man das Wort „alleged“ (mutmaßlich) ein, Originalzitate aus den Anklageschriften wurden gestrichen, und die Tafel wanderte an eine weniger prominente Stelle.
Die zeitliche Koinzidenz mit der kulturpolitischen Offensive der Trump-Administration ist auffällig. Mit der Executive Order „Restoring Truth and Sanity to American History“ vom März 2025 warf der Präsident dem Smithsonian eine „spaltende, rassenzentrierte Ideologie“ vor und beauftragte Vizepräsident J.D. Vance mit der Überwachung der Institution. Namentlich kritisiert wurden das National Museum of African American History and Culture sowie das geplante Women’s History Museum.
Finanzierungsdruck als Hebel
Das Smithsonian, das etwa 62 Prozent seines über eine Milliarde Dollar umfassenden Budgets aus Bundesmitteln bezieht, steht unter erheblichem Druck. Ein Schreiben des Weißen Hauses vom Dezember 2025 machte deutlich, dass künftige Mittel nur fließen würden, sofern sie mit der präsidialen Verordnung „konsistent“ seien. Die Frist zur Vorlage interner Dokumente lief am 13. Januar ab, wobei das Smithsonian nach eigenen Angaben eine interne Prüfung durchführt, zugleich aber seine institutionelle Unabhängigkeit betont.
Chuck Schumer, der demokratische Minderheitsführer im Senat, nannte das Vorgehen „orwellianisch“ und zog Parallelen zu autoritären Regimen. Die American Alliance of Museums warnte vor einem „chilling effect“ auf den gesamten Museumssektor, während die American Historical Association gemeinsam mit 35 weiteren Organisationen die Verordnung als „grobe Fehldarstellung“ der Smithsonian-Arbeit verurteilte.
Internationale Solidarität
Auch aus Deutschland meldeten sich Stimmen: Hermann Parzinger und Marion Ackermann von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz erklärten, nach dem Angriff auf die akademische Freiheit attackiere der amerikanische Präsident nun unabhängige Museen, wobei in freien Gesellschaften Diskurse geführt und nicht per Dekret bestimmt werde, was gedacht und gezeigt werden dürfe.
Derweil dokumentieren über 600 Freiwillige unter dem Namen „Citizen Historians“ systematisch die Smithsonian-Ausstellungen durch Fotografien von Objekten und Wandtexten. Die Historikerin Chandra Manning von der Georgetown University, die das Projekt mitinitiiert hat, begründet das Engagement damit, dass das Smithsonian seit seiner Gründung 1846 dem amerikanischen Volk gehöre und Änderungen durch Auslassung oder Ausschluss besonders besorgniserregend seien.
