Innerhalb weniger Tage wurden zwei der wichtigsten österreichischen Kunstmessen abgesagt. Die Viennacontemporary wird nach Millionenverlusten eingestellt, die Art & Antique verliert ihren Standort in der Salzburger Residenz.
Die Nachricht kam nicht völlig überraschend, doch ihre Endgültigkeit trifft den österreichischen Kunstmarkt empfindlich: Die Betreibergesellschaft der Viennacontemporary hat bestätigt, dass die Messe für zeitgenössische Kunst 2026 nicht mehr stattfinden wird. Geschäftsführer Markus Huber erklärte gegenüber dem Kunstmagazin Monopol, dass Management und Gesellschafter 2023 zwar noch einmal den Versuch unternommen hätten, eine große internationale Messe in Wien zu etablieren, dieses Vorhaben unter den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen jedoch nicht mehr umsetzbar sei.
Die Bilanz der VC Artfairs GmbH offenbart das Ausmaß der Schieflage: Über drei Millionen Euro Verlust haben sich angesammelt, dazu kommen rund 470.000 Euro Mietrückstände bei der Messe Wien für die Jahre 2024 und 2025 sowie 140.000 Euro gerichtlich erstrittene Forderungen der Marx Halle. Allen Mitarbeitenden wurde bereits im Herbst 2025 gekündigt, wobei auch die künstlerische Leiterin Abaseh Mirvali noch auf ausstehende Honorare wartet.
Erfolgreiche letzte Ausgabe täuschte über Strukturprobleme hinweg
Die Zahlen der letzten Ausgabe im September 2025 wirkten dabei durchaus vielversprechend: Mehr als 15.000 Besucher strömten in die Messe Wien, 102 Aussteller aus 23 Ländern präsentierten über 350 Künstlerinnen und Künstler. Einzelne Galerien vermeldeten Verkäufe im sechsstelligen Bereich. Das strukturelle Problem lag jedoch tiefer, zumal die Standmieten das Jahresbudget von rund 1,5 Millionen Euro nie deckten und die Messe seit ihrer Gründung 2015 auf Zuschüsse angewiesen war.
Diese kamen ursprünglich vom russischen Unternehmer Dmitri Aksjonow, der die Viennacontemporary als Brücke zwischen Ost und West positionieren wollte. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 legte er seine Position als Chairman nieder, woraufhin andere Gesellschafter mit Darlehen einsprangen, ohne die Finanzierungslücke dauerhaft schließen zu können.
Salzburger Traditionsmesse verliert ihren historischen Standort
Parallel zur Wiener Krise wurde bekannt, dass auch die Art & Antique Residenz Salzburg ihre für die Karwoche 2026 geplante 49. Ausgabe ersatzlos absagt. Anders als bei der Viennacontemporary liegt der Grund hier nicht in finanziellen Schwierigkeiten, sondern in einer Standortfrage: Das DomQuartier Salzburg hat die Nutzung der Prunkräume in der Alten Residenz verweigert, offiziell wegen Denkmalschutz, UNESCO-Welterbestatus und anstehender Renovierungsarbeiten.
Veranstalterin Alexandra Graski-Hoffmann von der M.A.C. Hoffmann & Co GmbH erklärte gegenüber dem ORF, man habe alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten geprüft. Die Absage sei das Ergebnis eines langen und intensiven Prozesses. Die Kritik der Veranstalterin richtet sich gegen fehlende transparente Kriterien, da bei der letzten Messe im April 2025 alle Auflagen erfüllt worden seien und keine Beschädigungen aufgetreten seien. Eine verbindliche Zusage für eine Rückkehr nach der bis 2028 geplanten Renovierung fehlt bislang.
Alternative Standorte wie das Kongresshaus erwiesen sich als ungeeignet, weil die Messe ihren Ruf über rund fünf Jahrzehnte untrennbar mit dem Ambiente der barocken Prunkräume verbunden hat. Die Art & Antique Salzburg, die seit 1976 während der Osterfestspiele Kunsthändler und Sammler zusammenführt, steht damit vor einer ungewissen Zukunft.
Strukturelle Transformation statt konjunktureller Delle
Die österreichischen Absagen reihen sich in eine internationale Entwicklung ein. Der globale Kunstmarkt schrumpfte laut Art Basel & UBS Art Market Report 2024 um zwölf Prozent auf 57,5 Milliarden US-Dollar, wobei das Hochpreissegment mit 39 Prozent weniger Verkäufen über zehn Millionen Dollar besonders stark einbrach. Zeitgleich häufen sich weltweit Messeabsagen und Galerieschließungen, von der ADAA Art Show in New York bis zur Taipei Dangdai.
Für den österreichischen Kunstmarkt bedeutet der Doppelschlag den Verlust zweier komplementärer Formate: die Viennacontemporary als Forum für zeitgenössische Kunst mit internationalem Anspruch und die Art & Antique Salzburg als etablierte Plattform für Antiquitäten und Klassische Moderne. Ob Nachfolgeformate entstehen werden, bleibt offen.
