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Venedig-Biennale 2026: Israel nominiert Belu-Simion Fainaru

Israel hat den Konzeptkünstler Belu-Simion Fainaru als Vertreter der 61. Venedig-Biennale benannt. Die Entscheidung löste unmittelbar neue Boykottforderungen aus.

Der 1959 in Bukarest geborene und seit seinem vierzehnten Lebensjahr in Israel lebende Künstler wird ab Mai im israelischen Pavillon die Installation „Rose of Nothingness“ zeigen, die von der Lyrik Paul Celans inspiriert ist und schwarzes Wasser als zentrales Element nutzt. Die Bekanntgabe erfolgte am 13. Januar durch Fainarus Galerien, wobei das israelische Kulturministerium bislang keine offizielle Stellungnahme veröffentlicht hat. Fainaru, der erst 2025 den Israel-Preis für interdisziplinäres Design und Kunst erhielt, gilt als einer der profiliertesten Konzeptkünstler des Landes und war bereits 1993 im israelischen sowie 2019 im rumänischen Pavillon der Biennale vertreten.

Die Art Not Genocide Alliance, die seit Oktober 2023 eine Kampagne gegen Israels Biennale-Teilnahme führt, reagierte umgehend mit erneuten Boykottdrohungen. Die Organisation hatte bereits im Oktober 2025 ein Ultimatum an die Biennale-Leitung gerichtet und den vollständigen Ausschluss Israels gefordert, worauf die Veranstalter nicht reagierten. In einem Statement betonte Fainaru gegenüber ARTnews, dass Kunst ein Ort für Dialog und nicht für Ausgrenzung sei, zumal er gerade wegen der politischen Komplexität eine starke Verantwortung empfinde.

Standortwechsel vom Giardini ins Arsenale

Erstmals seit Jahrzehnten wird Israel nicht im permanenten Pavillon in den Giardini ausstellen, sondern in der Sala d’Armi G im Arsenale, einem rund 230 Quadratmeter großen Raum. Offiziell begründen die Veranstalter den Wechsel mit Renovierungsarbeiten am Giardini-Pavillon, während Kritiker vermuten, dass der Ortswechsel eine Reaktion auf den Boykottdruck sein könnte. Die geplante Installation besteht aus einem großen Becken mit schwarz gefärbtem Wasser und sechzehn deckenmontierte Rohren, aus denen das Wasser tropft, wobei die Zahl auf kabbalistische Transformationssymbolik verweist und das schwarze Wasser auf Celans berühmtes Motiv der „schwarzen Milch“ aus der Todesfuge anspielt.

Die Ausstellung wird von Sorin Heller und Avital Bar-Shay kuratiert, die bereits 2024 mit Fainaru an der Mediterranean Biennale in Haifa zusammengearbeitet hatten. Fainarus künstlerisches Werk kreist seit Jahrzehnten um jüdisch-rumänische Geschichte, kabbalistische Konzepte und die Auseinandersetzung mit Holocaust-Erinnerung, wobei er alltägliche und organische Materialien wie Familienmöbel, Brot, Honig und Wasser verwendet, um metaphysische Konzepte zu materialisieren.

Präzedenzfall 2024: Der geschlossene Pavillon

Die diesjährige Nominierung steht im Schatten der Ereignisse von 2024, als die israelische Künstlerin Ruth Patir am Pressetag überraschend verkündete, ihren Pavillon nicht zu öffnen, bis eine Waffenruhe und ein Abkommen zur Geiselfreilassung erreicht würden. Der Pavillon blieb während der gesamten Biennale-Laufzeit von April bis November geschlossen, was die Boykott-Bewegung jedoch als unzureichend kritisierte, da sie einen vollständigen staatlichen Ausschluss forderte.

Die Venedig-Biennale hält an ihrer Position fest, keine Staaten ausschließen zu können, die von Italien diplomatisch anerkannt sind. Der einzige historische Präzedenzfall bleibt Südafrika, das zwischen 1968 und 1993 wegen der Apartheid von der Biennale ausgeschlossen war. Die 61. Venedig-Biennale steht unter dem Motto „In Minor Keys“ und findet vom 9. Mai bis zum 22. November 2026 statt, wobei das Kuratorenteam nach dem Tod der künstlerischen Leiterin Koyo Kouoh im Mai 2025 deren Vision fortsetzt.

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