Ai Weiwei hat Ende Dezember erstmals seit seinem Exil 2015 wieder chinesischen Boden betreten. Der 67-jährige Künstler verbrachte drei Wochen in Peking und besuchte seine 93-jährige Mutter.
Der Künstler reiste am 12. Dezember 2025 von Portugal nach Peking und blieb bis zum 2. Januar 2026, wobei ihn sein 17-jähriger Sohn Ai Lao begleitete. Die Einreise am Beijing Capital International Airport verlief nach einer knapp zweistündigen Befragung durch Grenzbeamte ohne weitere Komplikationen, wie Ai Weiwei gegenüber CNN berichtete. Die Beamten hätten lediglich nach der geplanten Aufenthaltsdauer und seinen Reisezielen gefragt.
In Peking besuchte Ai sein ehemaliges Studio im Caochangdi-Bezirk, traf alte Freunde und verbrachte Zeit mit seiner hochbetagten Mutter. Den emotionalen Moment des Wiedersehens beschrieb er so: Seine Mutter habe gelächelt und sei besonders glücklich gewesen, ihren Enkel zu sehen. Die beiden hätten sich die ganze Zeit an den Händen gehalten. Diese Zufriedenheit sei wie ein sanfter Wind an einem heißen Tag gewesen.
Die Rückkehr selbst verglich der Künstler mit einem Telefonanruf, der zehn Jahre lang unterbrochen war und plötzlich wieder verbunden wurde. Ton, Rhythmus und Geschwindigkeit seien zurückgekehrt, als wäre nichts gewesen. Was er am meisten vermisst habe, sei das Sprechen seiner Muttersprache gewesen, da für Immigranten der größte Verlust nicht Reichtum oder Einsamkeit sei, sondern der Verlust des sprachlichen Austauschs.
Kontroverse Aussagen zu Deutschland
Für Aufsehen sorgten Ai Weiweis Äußerungen in einem Interview mit der Berliner Zeitung Anfang Januar, in dem er Deutschland als Land beschrieb, in dem man sich eingeengt und prekär fühle. Die Alltagsschwierigkeiten in Europa seien mindestens zehnmal größer als in China, erklärte er und verwies darauf, dass ihm in Deutschland zweimal Bankkonten aufgelöst worden seien, während er in Peking sein altes Konto innerhalb von Minuten habe reaktivieren können. In mehr als zehn Jahren habe ihn in Deutschland fast niemand zu sich nach Hause eingeladen.
China befinde sich hingegen in einer Aufwärtsphase, was individuellen Wohlstand, nationale Stärke und persönliche Freiheiten betreffe, wobei er einräumte, dass politische Themen nach wie vor tabu seien. Diese Aussagen lösten in sozialen Medien Kritik aus, während Beobachter wie die China-Analystin Manya Koetse darauf hinwiesen, dass Ai Weiwei in Deutschland zwar rechtlich frei, aber sozial isoliert gewesen sei, während er in China politisch eingeschränkt, aber sozial eingebunden bleibe.
Der lange Weg ins Exil
Ai Weiweis Konflikt mit den chinesischen Behörden hatte sich über Jahre zugespitzt. Nach seiner kritischen Bürgeruntersuchung zu den Schulgebäude-Einstürzen beim Sichuan-Erdbeben 2008 wurde sein Blog von den Behörden geschlossen. Im August 2009 schlugen Polizisten ihn in Chengdu so schwer, dass er wegen einer Hirnblutung in München operiert werden musste. Im Januar 2011 ließen die Behörden sein Studio in Shanghai abreißen.
Der Tiefpunkt folgte am 3. April 2011, als Ai Weiwei am Pekinger Flughafen verhaftet und 81 Tage lang ohne Anklage festgehalten wurde. In einem kleinen Raum, rund um die Uhr von zwei Wachen in wenigen Zentimetern Abstand bewacht, musste er selbst um Erlaubnis bitten, sich zu kratzen. Nach seiner Freilassung entzogen ihm die Behörden den Pass und erhoben eine Steuerforderung von umgerechnet 2,4 Millionen Dollar gegen ihn.
Erst im Juli 2015 erhielt er seinen Pass zurück und verließ China kurz darauf in Richtung Berlin, wo er ein Studio in einer ehemaligen Brauerei bezog und an der Universität der Künste lehrte. Es folgten Umzüge nach Cambridge 2019 und nach Portugal, wo er seither seinen Hauptwohnsitz hat. Sein Pekinger Studio im ZuoYou Art District wurde 2018 ohne Vorwarnung abgerissen.
Ob Ai Weiwei dauerhaft nach China zurückkehren wird, ließ er offen. Er sei nie wirklich von irgendwo weggegangen, sagte er, die Distanz sei nur länger geworden. Seine nächste Einzelausstellung ist für Juli 2026 in Manchester geplant.

