Der globale Kunstauktionsmarkt ist im zweiten Halbjahr 2025 um zwölf Prozent gewachsen, wie Artprice am 11. Februar meldete. Die Erholung nach drei Rückgangsjahren verteilt sich allerdings höchst ungleich.
Laut der in Paris veröffentlichten Pressemitteilung von Artmarket.com, dem Mutterkonzern von Artprice, konnten insbesondere die westlichen Leitmärkte zulegen: Die USA verzeichneten ein Plus von 22 Prozent, Frankreich wuchs um 26 Prozent, Belgien um 25 Prozent. Auffällig stark entwickelte sich Indien mit einem Zuwachs von 71 Prozent, befeuert durch eine Senkung der Kunststeuer auf fünf Prozent und eine rasant wachsende Sammlerschaft. China hingegen blieb mit minus fünf Prozent im negativen Bereich, wenngleich die Verluste deutlich geringer ausfielen als die minus 31 Prozent des Vorjahres. Großbritannien kam lediglich auf drei Prozent Wachstum.
Die Jahresbilanzen der großen Auktionshäuser bestätigen den Trend. Sotheby’s meldete für 2025 einen konsolidierten Umsatz von sieben Milliarden Dollar, ein Plus von 17 Prozent und zugleich das beste Ergebnis in der 280-jährigen Unternehmensgeschichte. Christie’s kam auf 6,2 Milliarden Dollar, ein Zuwachs von sechs Prozent, wobei die Amerikasparte mit 15 Prozent Wachstum den stärksten Beitrag leistete. Phillips steigerte sich um zehn Prozent auf 927 Millionen Dollar, Bonhams setzte 970 Millionen Dollar um.
Erholung mit Schlagseite
Hinter den positiven Gesamtzahlen verbirgt sich eine zunehmend zweigeteilte Marktdynamik, die Analysten als K-förmige Erholung beschreiben. Während das Trophäen-Segment floriert, wie Gustav Klimts „Portrait of Elisabeth Lederer“ mit 236,4 Millionen Dollar bei Sotheby’s im November eindrücklich belegte, stagniert der Mittelmarkt. In der ersten Jahreshälfte 2025 wurden laut Art Basel/UBS kein einziges Los über 50 Millionen Dollar versteigert, der Gegenwartskunst-Auktionsumsatz fiel um 25 Prozent. Zugleich schlossen 2025 weltweit Dutzende etablierte Galerien, darunter Blum in Los Angeles nach 30 Jahren und Venus Over Manhattan in New York. In Berlin ergab eine Studie des IFSE, dass die Umsätze der Galerien seit 2020 deutlich gesunken sind, während die Regulierungslast durch Geldwäschegesetz und Künstlersozialabgabe die ohnehin schmalen Margen zusätzlich belastet.
Anders Petterson, Gründer der Londoner Analysefirma ArtTactic, bezifferte die Abhängigkeit des Marktes von der Spitze: Werke über einer Million Dollar machten bei den drei führenden Häusern nur sieben Prozent der verkauften Lose aus, trügen aber 77 Prozent des Gesamtumsatzes bei. Ob sich die Erholung im oberen Segment auf breitere Marktschichten überträgt, bleibt offen. Die Artprice-Zahlen beziehen sich ausdrücklich nur auf das zweite Halbjahr, der vollständige Jahresbericht wird für März 2026 erwartet.





