
Horizonte aus Glas
Glas ist Jahrtausende alt. Man kennt es als Fenster, Gefäß oder Vitrine, als etwas Nützliches, manchmal Kostbares, oft Zerbrechliches. In der Ausstellung „Future Horizons: Glas in der zeitgenössischen Kunst“ erscheint das Material nun anders: sperrig, politisch, körperlich, mitunter sogar widerspenstig. Das ist ein passender Auftakt zum 25-jährigen Jubiläum der Münchner Alexander Tutsek-Stiftung, deren Sammlung sich zeitgenössischer Fotografie sowie Skulpturen und Installationen mit Glas widmet. Rund fünfzig Künstler mit etwa siebzig Werken auf zwei Ebenen zeigen, wie weit sich das Medium von jeder Vorstellung bloßer Dekoration entfernt hat. Bei Monica Bonvicini wird Glas im Werk „In my Hand“ (2019) zur Frage nach Macht, Körper und Kontrolle. Mona Hatoum verbindet in „Korb V“ (2014) Verletzlichkeit mit Bedrohung, Präzision mit Unruhe. Andere Arbeiten setzen auf Licht, Raum oder optische Irritationen und führen vor, dass Transparenz keineswegs Klarheit bedeuten muss.
Lange galt Glas in der Kunst eher als Grenzgänger zwischen Handwerk, Design und freier Form. Spätestens seit dem 20. Jahrhundert wurde es zunehmend zum Material eigenständiger Skulptur und Installation. Die Münchner Schau zeigt, wie selbstverständlich diese Entwicklung heute geworden ist. Der schönste Effekt dieser Ausstellung: Man verlässt sie und sieht selbst die nächste Fensterscheibe mit anderen Augen.
Future Horizons. Glas in der zeitgenössischen Kunst
bis zum 19.7.2026
Alexander Tutsek-Stiftung
Georg-Muche-Str. 4
D-80807 München
Tel.: +49-89-55273060
So – Do 12 – 18 Uhr
Eintritt frei
www.atstiftung.de