
Eine Ode an die Malerei und Leben
oben: Museo d'arte della Svizzera italiana
Über hundert Werke sind das Spätwerk des Künstlers und wie der Titel der Ausstellung „La pittura 2024/25“ bereits verrät, sind diese erst in den letzten zwei Jahren gemalt worden. In dieser Zeit sind Bilder mit verschiedenen Motiven in seinem Atelier entstanden, aber auch Plein-Air-Malerei. Davon wurde jedes Werk an einem einzigen Tag fertiggestellt. Egal wohin er gefahren ist, hat Jean-Frédéric Schnyder sich in die Atmosphäre und die Lichtverhältnisse der jeweiligen Landschaft eingelassen und diese auf seiner Staffelei wiedergegeben. Der in Basel geborene Künstler war in der Schaffensphase vollkommen in sein Motiv vertieft und auf dessen künstlerische Umsetzung konzentriert. Daher nennt er selbst die Bilder „visuelle Notizbücher“, um so diese intensive Werkreihe zu beschreiben. Sie werden von den Kuratoren für diese Werkschau genauso präsentiert, wie sie auch chronologisch durch Schnyder entstanden sind.
Er selbst ist gelernter Fotograf, hat jedoch keine Kunstakademie besucht und ist daher künstlerischer Autodidakt. Nach seinem Umzug nach Bern hat er in seinen zwanziger Jahren in der Kunsthalle Bern assistiert und dort über das Sehen seinen Weg als bildender Künstler eingeschlagen. Dort wurde er auch vom Kurator Harald Szeemann in der Ausstellung „When Attitudes Become Form“ im Jahr 1969 als Künstler eingeladen. Und ab den 1970ern hat sich Schnyder vollkommen der konzeptuellen Kunst und der Ölmalerei gewidmet.
Die intensiven Erfahrungen in der Wahrnehmung von Formen und Farben prägen heute noch seinen Umgang mit der Kunst. Davon zeugt die aktuelle Ausstellung, denn sie umfasst auch Werke von früheren Schaffensphasen des Künstlers, wie zum Beispiel zwei außerordentlich große Stillleben aus den 1970er-Jahren, die nicht nur wegen ihrer Monumentalität, sondern auch mit ihrer perspektivisch geschwungenen Formvielfalt und Farbkombinationen herausstechen.
Zudem sind in der Werkschau die sogenannten „Billigen Bilder“ zu sehen, die zwischen 2000 und 2019 entstanden sind. Hierbei handelt es sich um Lappen, mit denen der Künstler seine Pinsel von der Farbe gereinigt hat. Da er das Malen sowohl als einen handwerklichen als auch gleichzeitig als einen Akt der Freiheit ansieht, hat er die Farbreste an den Lappen ebenfalls aufbewahrt, um sie mit einer neuen Daseinsberechtigung als Kunstwerk zu präsentieren. Den auch hier wird die Farbe nicht verschwendet, sondern behutsam nach der Säuberung zur Schau gestellt – fast ebenbürtig mit den von ihm gemalten Bildern.
Es lassen sich diverse Stile der Kunstgeschichte in den Bildern von Schnyder erkennen, die er parallel virtuos anwendet: Von Plein-Air-Malerei der Schweizer Berglandschaften über die grafisch anmutenden floralen Formen und oszillierten Nature Morte bis hin zur comicartigen Pop-Art. Doch so verschieden die Stile auch sein mögen, eines zieht sich immer durch sein gesamtes sechzigjähriges malerisches Œuvre: die Intensität der Farbe, deren Erhabenheit sich in der Natur der Frühlings- und Sommermonate widerspiegelt.
Irini Karamitrou lebt und arbeitet im Rheinland.
Jean-Frédéric Schnyder. La pittura 2024/25
15.3. – 9.8.2026
MASI – Museo d'arte della Svizzera italiana, LAC
Piazza Bernardino Luini 6
CH-6900 Lugano
Tel.: +41-58-8664240
Di – Fr 11 – 18 Uhr, Do 11 – 20 Uhr, Sa + So 10 – 18 Uhr
Eintritt: 20 CHF, erm. 16 CHF
www.masilugano.ch