Spurensuche. Christoph und Sebastian Mügge im Esszimmer in Bonn

Das Esszimmer – Raum für Kunst+ | bis zum 9.11.2018

Christoph und Sebastian Mügge, Dat Maache me us de Lameng, 2018

von Karin Gerwens //

Großformatige Installationen gehören zu den auffälligen Werken der Brüder Christoph und Sebastian Mügge. Die Künstler, als Bildhauer, Maler, Filmemacher und eben Installationskünstler tätig, erstellen die raumgreifenden Arbeiten teilweise gemeinsam. Detailreich reihen sich Fundstücke aus der Natur, Holz, Alltagsgegenstände oder Abfallprodukte ein in ein komplexes Ganzes, das sich für den Betrachter vermutlich nie ganz erschließen wird, stets jedoch genügend Raum lässt für eigene Rückschlüsse.

Dabei gibt es viel zu entdecken, wenn sich, wie zum Beispiel bei einer Installation aus dem Jahr 2018, scheinbar endlose Reihen und Flächen unterschiedlich großer Pyramiden aus blauem und orangefarbenem Papier an Wänden und über weite Teile des Raumes aneinander reihen. Dazu kommen die 5.500 handgefertigten Papierbälle! Die vereinzelt vorkommenden freien Stellen sind bestückt mit allerlei Gegenständen aus dem Haushalt, leeren Milchtüten aus unterschiedlichen Ländern zum Beispiel oder selbst beschrifteten Tupperdosen. Wie so häufig bei Christoph und Sebastian Mügge entsteht der tiefere Sinn durch ein Zusammenspiel aus Kunstwerk und persönlicher Erfahrung oder Weltanschauung des Betrachters.

Nun kommen die beiden für eine Stippvisite aus ihrer Wahlheimat Schweden zurück in ihre Geburtsstadt Bonn. Im Gepäck haben die Brüder Pläne für eine raumgreifende Installation, die sie eigens für die Ausstellung im Kunstraum „Das Esszimmer“ in Bonn anfertigen werden. Bereits der Ausstellungstitel „Dat Maache me us de Lameng“ lässt auf ein humorvolles Projekt schließen, bei dem es augenzwinkernd um die persönliche Vergangenheit in der ehemaligen Hauptstadt geht. Kritisch beäugt werden Bemühungen, als mittelgroße Stadt nicht der provinziellen Belanglosigkeit anheimzufallen. Aber als rheinische Frohnatur lässt man sich so schnell nicht unterkriegen… .

Sebastian Mügge zog es bereits 2011 zum Kunststudium nach Umeå in Schweden in die Heimat der Mutter. In seinen Werken verarbeitet er Themen wie Identität, Kindheit, Konflikt oder Schuld. Es ist ihm ein Anliegen, unterschiedliche künstlerische Disziplinen zu einem Gesamtkunstwerk zu verbinden. Christoph Mügge studierte von 2006 bis 2013 an der Kunstakademie in Düsseldorf zunächst Malerei bei Tal R und war Meisterschüler von Reinhold Braun. Bereits in der Malereiklasse begann er sich mit Collagen in Richtung Dreidimensionalität zu entwickeln, bis er schließlich 2011 zur Bildhauerei bei dem Briten Professor Richard Deacon wechselte.

Bereits in seinem zweiten Studienjahr bekam er die Chance, an einer Gruppenausstellung im Kunsthistorischen Institut der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität in Bonn teilzunehmen. Es folgten weitere Ausstellungen noch während seiner Studienjahre sowie Studienaufenthalte in verschiedenen europäischen Städten. Neben einer regen internationalen Ausstellungstätigkeit sind Christoph und Sebastian Mügge in zahlreichen Sammlungen vertreten. Auf das Projekt in Bonn kann man gespannt sein!

Christoph und Sebastian Mügge. Dat Maache me us de Lameng
31.8. – 9.11.2018
Das Esszimmer – Raum für Kunst+
Mechenstr. 25
D-53129 Bonn-Kessenich
Tel.: +49-228-53876612
Do + Fr 15 – 18:30 Uhrm Sa 13 – 17 Uhr
Eintritt frei
www.dasesszimmer.com

Erstveröffentlichung in kunst:art 63
Text: Karin Gerwens | Bild: Das Esszimmer – Raum für Kunst+