Die närrische Kultur

10.11.2019 – 26.2.2020 | Stadtmuseum Simeonstift Trier

Fritz Quant, Karneval, 1921 (Foto: Stadtmuseum Simeonstift Trier)

Alles steht kopf! An diesen Tagen eines jeden Jahres werden Regeln, Normen und Rollen karikiert und in ihr Gegenteil verkehrt: Fasching, Fastnacht, Fastelovend, Karneval – das sind nur einige der gängigen Namen für jene Bräuche, die vor allem im Rheinland, aber auch in weiteren Regionen Deutschlands und der Welt mit ausgelassenen Feiern die Fastenzeit einläuten.

Die Sonderausstellung im Stadtmuseum Simeonstift verfolgt diese heterogene Geschichte zurück bis in die Antike. Von den römischen Saturnalien, die bereits alltägliche Ordnungen hinterfragten, schlägt sie einen Bogen über die „tollen Tage“ vor der religiösen Fastenzeit im Mittelalter und bis in die Zeit der 1848er-Revolution, als auch der Karneval politisch wurde. Während im 20. Jahrhundert der Karneval eine propagandistische Instrumentalisierung durch die Nationalsozialisten erfuhr und vom Zweiten Weltkrieg überschattet wurde, kehrten die Bräuche danach langsam wieder und sind heute politisch wie eh und je.

In Trier kontextualisiert die Ausstellung unter anderem Gemälde ab dem 17. Jahrhundert mit Handschriften aus dem 16. Jahrhundert und historischen Textilien. Objekte und Archivalien, die von zahlreichen Museen, Institutionen, über 20 Karnevalsvereinen sowie aus Privatbesitz zur Verfügung gestellt wurden, reichern die Präsentation um diachrone bis zeitgenössische Aspekte an. So machen rund 200 Objekte auf zwei Etagen des Hauses eine facettenreiche Kulturgeschichte erfahrbar. Zu der Ausstellung erscheint ein Katalog mit 114 Seiten zweisprachig auf Deutsch und Englisch.

Die Welt steht Kopf: Eine Kulturgeschichte des Karnevals
10.11.2019 – 26.2.2020
Stadtmuseum Simeonstift Trier
Simeonstr. 60
D-54290 Trier
Tel.: +49-651-7182451
Di – So 10 – 17 Uhr
Eintritt: 5,50 €, erm. 4 €
www.museum-trier.de

Text: Ninja Elisa Felske
Bild: Stadtmuseum Simeonstift Trier
Erstveröffentlichung in kunst:art 70