Kunst direkt ins Postfach

Der kunst:letter – jeden Montag & Donnerstag

  • Ausstellungen
  • Kunstnews
  • Presseschau

Mit der Anmeldung erklären Sie sich mit unserer Datenschutzerklärung einverstanden.

Fast geschafft!

Wir haben Ihnen eine E-Mail mit einem Bestätigungslink geschickt. Bitte klicken Sie auf den Link, um Ihre Anmeldung abzuschließen.

Keine E-Mail erhalten?Schauen Sie bitte auch in Ihren Spam-Ordner.

Ukrainische Kunststudenten aus Lviv in Würzburg

5.7. – 2.11.2025 | Museum im Kulturspeicher (MiK) Würzburg

Anastasiia Tsymbaliuk, Torso, 2025

Der Torso

Nach mehr als drei Jahren findet der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine kein Ende. Im Gegenteil: Die Töne Putins werden immer schriller, je mehr Tote beide Seiten zu beklagen haben. Man mag sich nicht ausmalen, wie es den ukrainischen Soldaten an der Front geht …

Unter diesen Bedingungen der ständigen Luftangriffe leben nicht nur Soldaten, auch ganz normale Menschen in der Ukraine müssen unter Kriegsbedingungen ihr alltägliches Leben fristen. Dazu gehört Arbeiten und auch Lernen, und auch die Ausbildung zum Künstler.

Die Lviv National Academy of Arts hat sich in den letzten drei Jahren zu einem Zentrum der Kunstausbildung in der Ukraine entwickelt, was nicht nur, aber auch damit zusammenhängt, dass Lviv weit weg von der Front und nah an der polnischen Grenze liegt. Etwa tausend Studierende sind in Lviv eingeschrieben, unter ihnen die talentiertesten aus der ganzen Ukraine. Bevor man nun denkt, dass diese jungen Menschen doch an der Front kämpfen könnten – es ist gerade die ukrainische Kunst und Kultur, die Putin als Ausdruck eigenständiger ukrainischer Kultur zerstören will!

Bereits seit 2023 haben Würzburg und Lviv eine offizielle Städtepartnerschaft, die nicht nur von kurzfristiger Hilfe für die ukrainische Stadt geprägt sein soll, sondern eine langfristige Zusammenarbeit für beide Seiten zum Ziel hat. Im Rahmen dieser Partnerschaft findet auch die Ausstellung junger ukrainischer Studierender im Kulturspeicher Würzburg statt. Natürlich ist hierbei die Kunst wichtig, aber es geht um viel mehr! Die Künstlerinnen und Künstler werden zur Eröffnung persönlich anwesend sein und das Gespräch gerne annehmen. Dabei darf ganz ausdrücklich auch darüber gesprochen werden, wie es ist, im Krieg Künstler zu sein und wie es ist, im Krieg Mensch zu sein.

Ausgestellt werden 15 gemalte Torsi mit der Größe von 100 x 200 cm (Breite mal Höhe). Der Torso steht als Körper ohne Extremitäten und ohne Kopf hilflos, verletzt und fragmentiert da. Es ist möglicherweise eine zusätzliche Belastung, wenn man derartige wie verletzt scheinende Körper malen muss. Dennoch ist es ein normales Motiv in der Kunst, um die Proportionen des Körpers zu verinnerlichen.

Wie die Arbeit ausgeführt wird, ist den Studierenden selbst überlassen. Es darf, nein, soll sogar eine persönliche Note in das Werk einfließen. Ob das Ergebnis dann am Ende eher schematisch wird oder sehr körperlich erscheint, ob es eher wie eine gemalte Steinskulptur oder wie ein dezenter Schatten daherkommt, es ist der persönliche Ausdruck, der selbst bei einer solch einfachen Aufgabe zum Vorschein kommen kann. Und hierin liegt die Stärke einiger Arbeiten: Sie lassen sich nicht reduzieren auf Handwerk, sie zeigen die ganze Palette künstlerischen Ausdrucks.

Wer möchte, der kann die ausgestellten Arbeiten erwerben! Für 400 Euro je Arbeit unterstützt man die Lviv-Studentengemeinschaft, an die der Erlös geht. Davon soll die Ausbildung gestärkt und Studierenden geholfen werden, wenn sie sich in Not befinden.

Christian Corvin lebt und arbeitet als freier Journalist im Rheinland.

Embodiment. Lviv National Academy of Arts (Ukraine)
5.7. – 2.11.2025
Museum im Kulturspeicher (MiK) Würzburg
Oskar-Laredo-Platz 1
D-97080 Würzburg
Tel.: +49-931-3222514
Di 13 – 18 Uhr, Mi – So 11 – 18 Uhr
Eintritt: 5 €, erm. 3 €
www.kulturspeicher.de

Text: Christian Corvin
Bild: Museum im Kulturspeicher (MiK) Würzburg
Erstveröffentlichung in kunst:art 104

Anzeige
Anzeige