
Wider den Zeitgeist
Zwischen 1973 und 2015, so meint man, müsste ein ganzes Künstlerleben passen. Für Pierrette Bloch (1928 – 2017) ist diese Zeit dennoch wenig, um all ihre Entwicklungen und Arbeiten ihrer Karriere zu beinhalten. Tatsächlich reicht die Zeitspanne nicht ganz, um das Werk der 2017 verstorbenen Französin zu erfassen. Schon 1951 und im damals noch mehr als heute das Weltzentrum der Kunst repräsentierenden New York waren ihr Werke erstmals ausgestellt. Doch auch New York war in den 50ern noch nicht so weit, die Arbeit einer Frau gleichermaßen zu würdigen wie jene ihrer männlichen Kollegen.
Erst die 70er, da war Bloch wieder in Europa, sahen einen ernsthaften gewissen Wandel aufkommen. Die 1980er wurden erneut ein Jahrzehnt des Wandels. Nach Fortschrittsbegeisterung und technologischem Machbarkeitswahn rückte die Natur in ihrer Zerbrechlichkeit wieder stärker in die Diskussion der Menschen, die Öko-Bewegung nahm Fahrt auf, in Deutschland wurde die Grüne Partei gegründet. Die Kunst von Pierrette Bloch folgte nicht dem Zeitgeist, der lässt sich in ihr aber wiederfinden. Ihr Material wurden nun Naturprodukte wie Rosshaar, aus denen sie die Linien und Strukturen ihrer Arbeiten erstellte. Wiederum später schien sie beide in Einklang und Verbindung zu bringen: Aus schwarz-weißen Mustern wurden biomorphe Strukturen, in denen Tinte sich die Fasern von Papier heraufzuziehen schien in der Art, wie der Stängel einer Pflanze wachsen würde. Zwar nicht die ganze, zumindest aber einen großen Teil der Kunst von Pierrette Bloch kann also die Galerie Karsten Greve zeigen.
Pierrette Bloch. Essence
4.7. – 30.8.2025
Galerie Karsten Greve Köln
Drususgasse 1-5
D-50667 Köln
Tel.: +49-221-2571012
Di – Fr 10 – 18:30 Uhr, Sa 10 – 18 Uhr
Eintritt frei
www.galerie-karsten-greve.com
Text: Christian Hofmann
Bild: Galerie Karsten Greve Köln
Erstveröffentlichung in kunst:art 104








