Spektakulär, bitter bis hin zu elegant

4.12.2020 – 11.4.2021 | Kunstsammlung Jena

Julian Röder, Protests against G8 summit in Genoa I, Italy, 2001, © Julian Röder, courtesy Galerie Russi Klenner

Der Blick des Fotografen Julian Röder richtet sich auf das, was uns vielleicht banal und unwichtig erscheint. In der Schau der Kunstsammlung Jena stehen die beiden Fotostrecken „WORLD OF WARFARE“ und „DEAL“ im Mittelpunkt. In „WORLD OF WARFARE“ hat sich Röder auf die weltgrößte Waffenmesse in Abu Dhabi begeben. In einer Mischung aus Kunst, Reportage und Dokumentation eröffnet Röder dem Betrachter eine andere kritische Sichtweise auf den Finanzkapitalismus. Die Fotografien sind ebenso spektakulär wie bitter. In einer sich dem Betrachter aufdrängenden Direktheit deckt der Künstler die Mechanismen und Verschaltungen der globalisierten Finanzwelt auf. Da sie zu selten hinterfragt werden, liegt hier die Brisanz der Arbeitsweise von Röder, der sich ganz bewusst zur Aufgabe gemacht hat, hinter der Fassade dieses reibungslos funktionierenden Kapitalismus nach Antworten zu suchen und den Betrachter damit zu konfrontieren. Die Annehmlichkeiten des Reichtums einer hoch technisierten Gesellschaft wird gern in Anspruch genommen. Sicher, Geld allein macht nicht glücklich, aber es beruhigt ungemein, wie die Fotos aus Abu Dhabi zeigen. Dennoch beschleicht einen ein ungutes Gefühl, denn Waffen sind der Beweis dafür, dass dieser Reichtum um jeden Preis geschützt oder erweitert werden muss, um ihn zu garantieren.

In der Serie „DEAL“ geht es um den Handel und Umgang mit Kunst, den Röder auf der ART Basel beobachtete und mit der Kamera festgehalten hat. Und auch hier macht es der Künstler dem Betrachter alles andere als einfach. In der Bildsprache ist „DEAL“ elegant, was nicht darüber hinwegtäuscht, dass es sich um einen Markt handelt, dessen Preis von Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Ein Markt, der Begehrlichkeiten weckt, die durchaus den Wert eines Bildes oder Objektes in die Höhe treiben können und den Bekanntheitsgrad des Künstlers. Die Serie regt aber auch zum Nachdenken darüber an, wie es um das Verhältnis von Kunsthändlern und Kunstschaffenden steht. Der Gedanke der Abhängigkeit taucht auf und lässt sich nicht eben so verscheuchen. Dabei ist die Kunst etwas sehr Individuelles und Einmaliges, untrennbar verbunden mit dem Talent und Können eines Künstlers. Röder stellt hier den Kunsthandel auf den Prüfstand.

Julian Röder hat einen äußerst kritischen Blick bei seinen Themen, die er entwickelt, und bei den Motiven, die er auswählt. Dabei weist er auf Gefahren in unserer globalen Gesellschaft hin, die vor keiner Landesgrenze mehr halt machen. Zu dicht und zu fest ist das globale Seil mittlerweile verflochten, in dem die Individualiät immer mehr an den Rand gedrängt wird, ohne dass wir uns von selbst die Frage stellen, warum dem so ist.

Geboren in Erfurt, wuchs Julian Röder in Berlin auf und absolvierte eine Ausbildung zum Fotografen bei der Berliner Fotoagentur Ostkreuz. Von 2003 bis 2009 studierte er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Fotografie in Leipzig, anschließend an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Der Künstler lebt und arbeitet in Berlin.

 

 

Julian Röder. Fotografie
4.12.2020 – 11.4.2021
Kunstsammlung Jena
Markt 7
D-07743 Jena
Tel.: +49-3641-498261
Di + Mi 10 – 17 Uhr, Do 15 – 22 Uhr, Fr 10 – 17 Uhr, Sa + So 11 – 18 Uhr
Eintritt: 4 €, erm. 3 €
www.kunstsammlung-jena.de

Text: Nadja Naumann
Bild: Kunstsammlung Jena
Erstveröffentlichung in kunst:art 76