Erfindung und Handwerk

6.11.2022 – 29.1.2023 | Gerhard-Marcks-Haus

Als einer der Mitbegründer des Surrealismus (in seiner abstrakten Form) gehört Hans Arp (1886–1966) zweifellos zu den markantesten Künstlerpersönlichkeiten der bildhauerischen Moderne in den Jahren vor und nach dem Zweiten Weltkrieg. In jüngerer Zeit freilich kam Arp auch negativ ins Gerede, was der ungeklärten Authentizität einer großen Anzahl von Gipsen geschuldet war. Das Bremer Bildhauermuseum schaut nun genauer hin: Unter dem kecken Titel „Die Firma Arp“ wird die konkrete Entstehungsgeschichte der Plastiken und allgemeiner die seinerzeitige Atelierpraxis untersucht. Aus einer mehrjährigen Forschungskooperation zwischen der den Nachlass verwaltenden Stiftung Hans und Sophie Täuber-Arp e.V. und dem Gerhard-Marcks-Haus entstand eine Ausstellung, die kunsthistorisch kritische Fragen beleuchtet, aber vor allem natürlich unseren Blick neugierig machen will auf den Arpschen Formenkosmos.

Der Künstler entwickelte ab 1933 ein Verfahren, bei dem Formfindung und bildhauerische Technik eng zusammenhängen. Zentral hier das Material Gips: Weit davon entfernt, nur Hilfsmittel für technisch notwendige Zwischenschritte zu sein, bietet es die Möglichkeit, quasi gleichzeitig plastisch und skulptural zu arbeiten. Im abwechselnden Antragen und Raspeln oder Sägen verwandeln sich Formen unaufhörlich: Wie beim Wachstum eines Baums können sich unversehens Seitenäste bilden (fixiert im erneuten Abguss), während der „Stamm“ eine durchaus eigene Richtung nimmt.

Die Firma Arp
Formenkosmos und Atelierpraxis
6.11.2022 – 29.1.2023
Gerhard-Marcks-Haus
Am Wall 208
D-28195 Bremen
Tel.: +49-421-9897520
Di – So 10 – 18 Uhr, Do 10 – 21 Uhr
Eintritt: 10 €, erm. 5 €
www.marcks.de

Text: Dieter Begemann
Bild: Formenkosmos und Atelierpraxis
Erstveröffentlichung in kunst:art 88

Über Dieter Begemann 274 Artikel
Begemanns Blog: Sternschnuppen An dieser Stelle soll es um ästhetische Sternschnuppen gehen und, wie es die Schnuppen so machen, sollen sie hin und her zischen auf manchmal verblüffenden Kursen – kreuz und quer! Ich konnte (und musste zum Glück mich auch nie) entscheiden zwischen praktisch-bildkünstlerischen und theoretischen Interessen: Ich liebe Malerei und Bildhauerei, begeistere mich für Literatur, bin ein Liebhaber von Baukunst und Design –aber meine absolute Leidenschaft gehört der Gestaltung von Gärten und Autos. Und, eh ich’s vergesse: natürlich dem Film!!