African Spirit

26.05. - 29.10.2023 I Schloss Gottorf

Samuel Fosso, Muhammad Ali, African Spirits series, 2008

Samuel Fosso im Schloss Gottorf 

Mao und Muhammad Ali: Personen der Zeitgeschichte in großen Fotografien. Diese Werke und noch viele mehr stammen von Samuel Fosso, einem afrikanischen Fotografen, den der neue Direktor Thorsten Sadowsky aus dem Museum der Moderne Salzburg ins Schloss Gottorf mitgebracht hat. Das Besondere an den Fotografien ist, dass der Fotograf sich stets selbst fotografiert. In einer Mischung aus Fotografie, Performance und Inszenierung schlüpft Fosso in verschiedene Rollen und löst die Kamera per Fernauslöser aus.

Samuel Fosso (* 1962 in Kamerun) machte Mitte der 1970er-Jahre eine kurze Fotografie-Lehre und eröffnete bereits nach einem halben Jahr 1975 sein eigenes Fotostudio im Alter von nur 13 Jahren. Von Anfang an fotografierte er sich auch selbst mit den Fotos, die am Ende des Tages auf dem Film noch unverbraucht waren. Diese frühen Fotografien waren teils nur Selbstporträts, mitunter schlüpfte er aber auch schon damals in Rollen oder erzählte persönliche Geschichten.

Obwohl schon diese frühen Fotografien künstlerisch waren, hat Fosso sich erst ab Mitte der 1990er-Jahre tatsächlich auch selbst als Künstler verstanden. 1994 gewann er die erste Ausgabe des „African Photography Encounters“ in Bamako, Mali. International wurde er 1997 mit einer kommerziellen Fotoserie bekannt. Mit der Tati-Serie zeigt Fosso Klischee-Persönlichkeiten, so die befreite amerikanische Frau, den Piraten oder den afrikanischen Häuptling. Rassismus und Vorurteile stehen der Hoffnung auf Unabhängigkeit im Wege, also thematisiert Fosso sie direkt.

„African Spirits“ gilt als Schlüsselwerk Fossos: Er schlüpft in die Rolle afrikanischer und US-amerikanischer schwarzer Bürgerrechtler, ahmt Gestus, Kleidung, Frisur und Hintergrund exakt nach und, so beschreibt es der Kunstkritiker Simon Njami: „Fosso ist vollständig verschwunden. Die Körper, die wir dargestellt sehen, gehören nicht mehr ihm, sondern den Menschen, die er verkörpert“. Auf insgesamt 14 Bildern der Serie verkörpert er Bürgerrechtler wie Muhammad Ali, Angela Davies, Martin Luther King, Malcolm X und anderen.

Samuel Fosso ist einer der wichtigsten Foto-Künstler Afrikas und längst auch international bekannt. In einer Mischung verschiedener Genres (Fotografie, Performance, Elemente der Installation) hat Fosso auch im Vergleich mit bekannten Kolleginnen, beispielsweise Cindy Sherman, Thomas Demandt und Thorsten Brinkmann, um nur drei zu nennen, seine ganz eigene Sprache gefunden. Eine Sprache, die zugleich auch seinem Heimat-Kontinent Gehör verschafft.

Samuel Fosso
26.05. – 29.10.2023
Schloss Gottorf
Schlossinsel 1
D-24837 Schleswig
Tel.: +49-4621-813222
Mo – Fr 10 ؘ 17 Uhr, Sa + So 10 – 18 Uhr
Eintritt: 10 €, erm. 8 €
www.schloss-gottorf.de

Text: Mathias Fritzsche 
Bild: Schloss Gottorf
Erstveröffentlichung in kunst:art 92

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Ein Thema jagt das nächste: Der Wochengipfel hält ein oder zwei Themen fest und bringt sie in Erinnerung. Was war vergangene Woche so wichtig, dass man Schnappatmung bekam und ist diese Woche dennoch schon vergessen? Oder über welche Nachricht hat man sich so gefreut, dass man auf den Balkon ging und die Nachricht für die ganze Welt in den Abendhimmel geschrien hat?