Verschollen

8.9. – 31.12.2023 | Cranach-Stiftung Wittenberg

Die Sammlung von Dr. Gerd Gruber ist als nationales Kulturgut anerkannt worden und die Cranach-Stiftung hat eine Ausstellungsreihe ins Leben gerufen, die sich mit dem Frühwerk jener Künstler beschäftigt, die als „verschollene Generation“ gelten. Es sind jene Kunstschaffende, die von den Nationalsozialisten verfemt und verfolgt worden sind. Darunter die Brüder Karl und Fritz Nolde, denen jetzt eine Ausstellung gewidmet ist.

Karl erblickte 1902 das Licht der Welt in Leipzig und 1904 sein Bruder Fritz. Beide studierten an der Akademie für Graphische Künste und Buchgewerbe in ihrer Heimatstadt. Sie engagierten sich im antifaschistischen Widerstand und 1934 wurde Fritz Nolde von der Gestapo verhaftet. Von 1941 bis 1943 war er im Zuchthaus Waldheim inhaftiert und wurde anschließend ins Strafbataillon 999 überführt. Sein Bruder Karl wurde 1935 zu einer Haftstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt. 1937 wurden seine Bilder als „entartete Kunst“ eingestuft und beschlagnahmt. Ihm gelang die Flucht über die Tschechoslowakei und England in die USA. 1959 fand er in Mexiko eine neue Heimat.

Fritz Nolde ging nach Kriegsende nach Berlin und 1962 nach Potsdam. Er arbeitete wieder als Bildhauer, wurde Mitglied der SED. Das Schicksal der beiden Brüder, die einen gemeinsamen Ausgangspunkt hatten, teilte sich. Der eine fand die künstlerische Freiheit im Westen, der andere im Osten. An die fünfzig Werke der Brüder aus der Zeit von 1925/30 und 1934/35, die in der Haftzeit entstanden, sind in Wittenberg zu sehen.

Karl und Fritz Nolde. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen
8.9. – 31.12.2023
Cranach-Stiftung Wittenberg
Cranach-Haus
Markt 4
D-06886 Lutherstadt Wittenberg
Tel.: +49-3491-420190
Mo – Sa 10 – 17 Uhr, So 13 – 17 Uhr
Eintritt: 7 €, erm. 5 €
www.cranach-stiftung.de

Text: Nadja Naumann
Bild: Cranach-Stiftung Wittenberg
Erstveröffentlichung in kunst:art 93