Naturverbunden

11.11.2023 – 4.2.2024 | Kunsthaus Bregenz

Solange Pessoa, Sonhiferas, 2021, © Alexander und Renata Camaro Stiftung

Das Kunsthaus Bregenz zeigt von November 2023 bis Februar 2024 eine umfassende Ausstellung mit den Werken der brasilianischen Künstlerin Solange Pessoa (* 1961). Ihre Installation „Nihil Novi Sub Sole“ war 2022 auf der Biennale in Venedig zu sehen.

Solange Pessoa lebt zwischen ihrem Studio in Belo Horizonte und ihrer Farm in Minas Gerais. Während sich in Belo Horizonte ihr Studio mit ihrem Archiv und ihrer Bibliothek, ihre Speckstein-Fabrik und verschiedene Filmsets befinden, ist die Farm in Minas Gerais ein Ort, der ihr mehr Ruhe gibt, an dem sie nachdenken und neue Ideen entwickeln kann. Hier ist sie in direktem Kontakt mit der Natur – Flora und Fauna, den Bergen, dem Fluss.
Sie ist eine Frühaufsteherin, sagt, dass ihr Geist dann noch klar ist und ihren Träumen noch näher.

Zu Beginn der Bregenzer Schau führt eine Videoarbeit den Betrachter in die Welt Pessoas ein. Die Arbeit zeigt verflüssigte Bronze während ihrer Aushärtung. Hier trifft man auf die Vielschichtigkeit von Pessoas Werk. Es geht um Visuelles, Akustisches und die räumliche Erfahrung.
Laut Pessoa hat jede Installation ihre eigene spezifische Natur, Materialität, Zeitlichkeit und Raum. „Longilonge“, ein künstlerisches Archiv aus Jutesäcken, gefüllt mit Früchten, Blumen, Samen, Knochen, Erde und Schriften, wurde erstmals 1994 für eine Gruppenausstellung installiert. Bereits damals war ihr bewusst, dass die Arbeit noch nicht abgeschlossen ist. Im Jahr 2019 konnte sie die Arbeit in Marfa, Texas reinstallieren und weiterentwickeln. In Bregenz wird sie erneut zu sehen sein, mit einer neuen Erweiterung. „Es ist eine Art großes universelles Archiv, vielfältig und unendlich, das (physisch und symbolisch) dichte Materialität beherbergt und eine Verbindung zwischen Natur und Kultur herstellt“, erklärt die Künstlerin.

Pessoa arbeitet mit einer Vielfalt von organischem Material – Steine, Pflanzen, Federn, Haar, Ton, Blätter und mehr. Sie bezeichnet es als „Material aus der realen Welt – in einer physikalischen und transzendenten Beziehung mit der Menschheit, […]. Sie erreichen mich durch Anziehungskraft, Intuition und Neugier. Es stammt von dem Wunsch, durch die Dinge zu schauen, in das, was nicht sichtbar ist“.
Pessoa liebt es, mit Speckstein zu arbeiten, sie sieht in ihm Unbekanntes und gleichzeitig Vertrautes. Das Material ist Teil der kolonialen Architektur in ihrer Heimatregion. Ihre „Insculptures“, die sie daraus fertigt, sieht sie in der Natur weiterleben, eins mit ihr werden.

Zudem sind in Bregenz ihre Bronzeskulpturen zu sehen, als Relief an der Wand und freistehend im Raum, eine Arbeit, die 2012 begann und hier erstmals vollendet zu sehen sein wird. Abschließend wird im letzten Raum eine großflächige Skulptur aus Federn mit dem Titel „Miracéus“ präsentiert. „Ich denke, ‚Miracéus‘ ist so etwas wie eine Andachtsskulptur, mit einer kultischen, mythischen und rituellen Dimension“, so die Künstlerin.
Anlässlich der Ausstellung erscheint eine Publikation.

Liane Wendt lebt und arbeitet seit acht Jahren im australischen Outback mit der indigenen Bevölkerung an verschiedenen Kunstprojekten.

Solange Pessoa
11.11.2023 – 4.2.2024
Kunsthaus Bregenz
Karl-Tizian-Platz
A-6900 Bregenz
Tel.: +43-5574-48594433
Di – So 10 – 18 Uhr, Do 10 – 20 Uhr
Eintritt: 12 €, erm. 8 – 10 €
www.kunsthaus-bregenz.at

Text: Liane Wendt
Bild: Kunsthaus Bregenz
Erstveröffentlichung in kunst:art 94