
Mehr als eine Nebensache
Das Werk des spanischen Jahrhundertkünstlers Picasso ist bekanntlich immens, kaum eine Gattung, kaum eine Technik, die er ausgelassen hat. Fast könnte man angesichts dieser Fülle eine besondere Kategorie vergessen, die aber doch höchst aussagekräftig ist: Das Kunsthaus Interlaken präsentiert die Plakate Picassos. Für gewöhnlich werden Plakate freilich, als „nur“ angewandte und damit für den Verbrauch bestimmte Form der Gestaltung, ein wenig stiefmütterlich behandelt.
Doch die gezeigten 58 Originalplakate – die zweite Einzelschau des Künstlers hier – machen deutlich, dass Picasso kaum eine Hierarchie gelten ließ zwischen freier und angewandter Gestaltung. Im Gegenteil, die Fähigkeit, visuelle Botschaften schon auf den ersten Blick originell, direkt und schlagend zu vermitteln, ist besonders beim Plakat gefragt, das seine Existenz ja in der harschen Aufmerksamkeitskonkurrenz des öffentlichen Raums führen muss. Manche von Picassos Plakaten sind zwar Varianten bekannter Motive, viele aber sind vollgültige Originalgrafiken. Die jetzt im Kunsthaus des Berner Oberlandes – als vierte Station einer Tournee über Basel, Genf, Delphi (Griechenland) und Emmerich (Deutschland) – gezeigte Sammlung wurde über 30 Jahre hinweg zusammengetragen von dem Schweizer Sammler Werner Röthlisberger. Sie umfasst vier wesentliche Themenbereiche: Keramikausstellungen im südfranzösischen Vallauris, Stierkämpfe, Friedenskongresse und Plakate für Picassos eigene Ausstellungen sowie die von Freunden und Weggefährten.
Pablo Picasso. Seine Plakate
15.6. – 24.8.2025
Kunsthaus Interlaken
Jungfraustr. 55
CH-3800 Interlaken
Tel.: +41-33-8221661
Mi – Sa 14 – 17 Uhr, So 11 – 17 Uhr
Eintritt: 8 CHF, erm. 5 CHF
www.kunsthausinterlaken.ch
Text: Dieter Begemann
Bild: Kunsthaus Interlaken
Erstveröffentlichung in kunst:art 104







