
Bild und Bildwirklichkeit
Man muss schon genau hinschauen, um zu erkennen, dass das Spinnennetz nicht echt ist. Wenn schon nicht echt, dann eben Fotografie? Fehlanzeige! Das Krakelee der Wüstenoberfläche, die gekräuselten Wellen, der nächtliche Schneefall, die Wolkenformation oder der Sternenhimmel: Vija Celmins (* 1938 in Riga) ist mit dem Kohlestift und dem Pinsel dem komplexen Verhältnis von Bild und Bildwirklichkeit, Authentizität und Täuschung, Natur und Kunst auf der Spur. Die Fondation Beyeler widmet nun der auf Long Island lebenden Zeichnerin und Malerin eine umfängliche Einzelausstellung. In hyperrealistischer Manier bringt Vija Celmins die Ausschnitte unserer Alltagswelt und der Naturerscheinungen auf Leinwand und Papier. Von Celmins selbst als „dreidimensionale Malereien“ bezeichnete Skulpturen sind ebenfalls zu sehen, wie die Arbeit „To Fix the Image in Memory I-XI“ (1977–1982).
Vija Celmins hat von elf Steinen aus der Wüste New Mexicos elf exakte Kopien aus bemalter Bronze angefertigt. Die Herausforderung einer möglichst perfekten Nachahmung war dabei die wesentliche Motivation für die Künstlerin. Lediglich unser Wissen darum, dass hier zwei verschiedene Realitäten aufeinandertreffen, lässt uns nach Unterschieden suchen. In den ersten Jahren fokussierte sich die Künstlerin auf das Malen von Alltagsgegenständen wie Lampen oder Heizgeräte. Noch nicht hyperrealistisch, aber schon ein früher Hinweis auf das aufmerksame Schauen, welches von zentraler Bedeutung für die Kunst von Vija Celmins ist.
Vija Celmins
15.6. – 21.9.2025
Fondation Beyeler
Baselstr. 101
CH-4125 Riehen/Basel
Tel.: +41-61-6459700
Mo – So 10 – 18 Uhr, Mi 10 – 20 Uhr
Eintritt: 25 CHF, erm. 20 CHF
www.fondationbeyeler.ch
Text: Stefan Simon
Bild: Fondation Beyeler
Erstveröffentlichung in kunst:art 104






