Sonnabend Collection eröffnet in Italien

Neues Museum

In Mantua öffnet am 29. November ein neues Museum für Pop Art und zeitgenössische Kunst. Die Sammlung der legendären Galeristin Ileana Sonnabend zieht damit erstmals dauerhaft nach Italien.

Rund 100 Werke von Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Jasper Johns und Robert Rauschenberg werden künftig im Palazzo della Ragione zu sehen sein, einem mittelalterlichen Justizpalast aus dem 13. Jahrhundert im Herzen der lombardischen Renaissancestadt. Die Sonnabend Collection Foundation aus New York hat die auf etwa 270 Millionen US-Dollar geschätzte Sammlung für zunächst sechs Jahre als Dauerleihgabe nach Mantua gegeben, wobei eine Verlängerung um weitere sechs Jahre bereits vereinbart ist. Für den künstlerischen Direktor Mario Codognato, zuvor Chefkurator am Museo MADRE in Neapel, schließt das Museum eine Lücke in der italienischen Museumslandschaft, da dem Land bislang eine öffentlich zugängliche Sammlung amerikanischer Nachkriegskunst von vergleichbarem Rang fehlte.

Galeristin zwischen zwei Kontinenten

Ileana Sonnabend, 1914 in Bukarest geboren und 2007 in Manhattan gestorben, gehörte zu den einflussreichsten Kunsthändlerinnen des 20. Jahrhunderts. Nach ihrer ersten Ehe mit dem Galeristen Leo Castelli, mit dem sie 1957 die legendäre Castelli Gallery in New York mitbegründete, eröffnete sie 1962 eine eigene Galerie in Paris und brachte dort als Erste Warhol und Lichtenstein einem europäischen Publikum nahe. In den folgenden Jahrzehnten pendelte sie zwischen den Kontinenten und vermittelte nicht nur amerikanische Pop Art nach Europa, sondern machte auch die italienische Arte Povera in den Vereinigten Staaten bekannt. Ihr Adoptivsohn Antonio Homem, der heute die Stiftung leitet, beschreibt die Sammlung als visuelle Biografie seiner Mutter.

Die Wahl des Standorts Mantua ist nicht zufällig, zumal Codognato eine historische Parallele zwischen Sonnabend und Isabella d’Este zieht, jener Renaissancefürstin, die im 15. Jahrhundert am Hof von Mantua eine der bedeutendsten Kunstsammlungen ihrer Zeit zusammentrug. Beide Frauen hätten ein Gespür für die wichtigsten Künstler ihrer Epoche bewiesen, so der Kurator, wobei es für eine Frau im 20. Jahrhundert noch immer selten gewesen sei, als Sammlerin zeitgenössischer Kunst in Erscheinung zu treten. Homem selbst zeigt sich von der Nachbarschaft zum Dogenpalast mit Mantegnas Fresken und zum Palazzo Te mit den Werken Giulio Romanos angetan.

Von Warhols Suppendosen bis zu Kiefers Monumentalwerken

Die Sammlung umfasst neben den Klassikern der amerikanischen Pop Art auch Werke des Minimalismus von Donald Judd und Richard Serra, Arbeiten der Arte Povera von Jannis Kounellis und Mario Merz sowie Fotografien von Bernd und Hilla Becher und Candida Höfer. Aus den 1980er Jahren stammen Skulpturen von Jeff Koons, darunter die Arbeit „Wild Boy and Puppy“ von 1988, sowie Gemälde deutscher Künstler wie Anselm Kiefer und A.R. Penck. Zu den Glanzstücken zählen Warhols „Campbell’s Soup“ von 1962, Lichtensteins „Little Aloha“ aus demselben Jahr und Rauschenbergs Combine „Kite“ von 1963, mit dem der Künstler ein Jahr später den Goldenen Löwen der Biennale von Venedig gewann.

Die Stadt Mantua, die das Gebäude zur Verfügung stellt, hat rund 1,3 Millionen Euro in das Projekt investiert, während lokale Unternehmen über das italienische Art-Bonus-Programm weitere 340.000 Euro beisteuerten. Den Museumsbetrieb übernimmt der venezianische Kulturdienstleister Marsilio Arte. Die Sonnabend Collection war zuvor bereits in Italien zu sehen gewesen, von 2005 bis 2012 im Museo MADRE in Neapel und anschließend bis 2025 im Ca‘ Pesaro in Venedig, doch erstmals wird sie nun in einem eigens konzipierten Ausstellungsraum vollständig präsentiert.

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