Alma Allen vertritt die USA in Venedig

Der Bildhauer Alma Allen wird den US-Pavillon bei der Venedig-Biennale 2026 bespielen. Die Ernennung des Autodidakten löst in der amerikanischen Kunstwelt heftige Debatten aus.

Das US-Außenministerium bestätigte am 24. November die Auswahl des 55-jährigen Künstlers für die 61. Ausgabe der Kunstbiennale, die vom 9. Mai bis zum 22. November 2026 stattfindet. Allen ist damit der erste weiße männliche Künstler seit Bruce Nauman im Jahr 2009, der die Vereinigten Staaten in den Giardini repräsentiert, nachdem zuletzt Jeffrey Gibson, Simone Leigh und Martin Puryear den Pavillon bespielt hatten.

Unter dem Titel „Call Me the Breeze“ wird Allen rund 30 Skulpturen zeigen, darunter neue ortsspezifische Arbeiten. Als Kurator fungiert Jeffrey Uslip, der zuvor das Contemporary Art Museum St. Louis leitete und Allen im Oktober direkt kontaktiert hatte. Die Kommission übernimmt die American Arts Conservancy, eine erst im Juli 2025 gegründete Non-Profit-Organisation mit Sitz in Florida, deren Gründerin Jenni Parido laut Medienberichten zuvor ein Tierfuttergeschäft betrieb.

Auswahlverfahren ohne staatliche Kunstförderung

Die Ernennung erfolgte unter ungewöhnlichen Umständen, da das National Endowment for the Arts, das traditionell das Auswahlkomitee koordiniert, am Prozess nicht teilnahm. Das Außenministerium begründete dies mit personellen Engpässen während der Regierungsübergangsphase. Ursprünglich war der Künstler Robert Lazzarini vorgesehen gewesen, doch die University of South Florida konnte als geplante Kommissarin die Budget- und Zeitvorgaben nicht erfüllen. Die offizielle Pressemitteilung des State Departments betont explizit den Fokus der Trump-Administration auf „American excellence“, was für Kunstbekanntgaben dieser Art ungewöhnlich ist.

In der amerikanischen Kunstszene stößt die Wahl auf geteilte Reaktionen. Kritiker bemängeln, dass Allens abstrakte, bewusst untitulierte Skulpturen wenig über den gegenwärtigen Zustand des Landes aussagten, während Befürworter die Entscheidung als Rückkehr zu formaler Qualität jenseits identitätspolitischer Diskurse werten. Beide Galerien des Künstlers, Mendes Wood DM und Olney Gleason, sollen nach Annahme des Auftrags die Zusammenarbeit beendet haben, wie Allen der New York Times bestätigte.

Vom Straßenverkäufer zum Biennale-Künstler

Der 1970 in Salt Lake City geborene Allen wuchs in einer mormonischen Großfamilie auf und verließ sein Elternhaus mit 16 Jahren. In New York lebte er zeitweise in besetzten Häusern und verkaufte handgeschnitzte Holzskulpturen auf den Straßen von SoHo, bevor er sich im kalifornischen Joshua Tree ein eigenes Atelierkomplex baute. Nach einem schweren Fahrradunfall entwickelte er eine hybride Arbeitsweise, bei der er kleine Tonmodelle per Hand formt und diese mithilfe eines selbstgebauten Roboters in monumentale Formate überträgt, wobei die finale Oberflächenbearbeitung wieder manuell erfolgt. Seit 2017 lebt und arbeitet Allen im mexikanischen Tepotzlán, wo er eine eigene Bronzegießerei betreibt.

Seine biomorphen Skulpturen aus Bronze, Holz und Stein erinnern an Constantin Brancusi und Isamu Noguchi, ohne deren Formensprache zu imitieren. Die New York Times beschrieb seine Arbeiten als sinnliche Formen in stillen Bewegungszuständen. Allen selbst wehrt sich gegen die Einordnung als apolitisch und betont, seine Arbeit repräsentiere die Erfahrungen seines Lebens. Institutionelle Anerkennung erhielt er unter anderem durch die Whitney Biennale 2014, eine Einzelausstellung im Museo Anahuacalli in Mexiko-Stadt und zuletzt eine monumentale Installation auf der Park Avenue in New York.

Die Biennale 2026 steht unter dem Motto „In Minor Keys“, das die im Mai verstorbene Kuratorin Koyo Kouoh entwickelt hatte. Ihr Team führt die Arbeit posthum fort.

Anzeige
Anzeige