Anton Henning ist in verschiedenen Häusern zu sehen

18.10.2025 – 25.1.2026 | Sammlung Philara

Anton Henning, Interieur No. 641, 2022

Umfassende Erlebnisse

Es ist wohl nicht immer eine heile Welt, häufig sogar eine abgründige, die Anton Henning in seinen Bildern zeigt. Oft gewinnt man aber den Eindruck einer zugewandten, niemals einer bösartigen oder verzweifelten Welt. Die Bezüge auf die Kunstgeschichte und auf ruhmvolle Vorbilder unter den berühmtesten Malern sind dabei Teil des künstlerischen Werkzeuges des Autodidakten, häufig fallen den Betrachtenden zahlreiche Namen und Zitate ein. Ironie ist dabei nicht unbedingt der Weg, den diese Vorbilder in Hennings Kunst finden, gleichwohl er seine Zugriffe auf sie auch scherzhaft als „Diebereien“ bezeichnet. Humor ist ihnen nicht abzusprechen und hier und da ist man von seiner eigenen guten Laune überrascht, sei es auch nur wegen der hellen Grundstimmung in Hennings Malerei.

Damit trifft er offenbar ein Bedürfnis, zahlreiche Ausstellungen und Personalen belegen das. Aktuell ist es neben dem Museum Neuruppin, unweit des neben Berlin zweiten Standortes von Anton Henning im Brandenburgischen Manker, und mehreren weiteren Häusern die Sammlung Philara in Düsseldorf, die sich dem Künstler widmet. Wer Henning persönlich erleben und kennenlernen möchte, hat dazu am 18. Oktober Gelegenheit während eines Künstlergespräches im Kunstmuseum Bonn, in dessen Sammlung sich Werke von ihm finden.

Ihr wie auch der Kunsthalle Bremen und anderen Instituten hat er Werke als Schenkung zukommen lassen, sie damit einem weit verbreiteten Publikum sichtbar gemacht. In Bremen sind es insgesamt 23 Gemälde und Zeichnungen, die er dem Haus zukommen ließ. Das revanchiert sich mit einer außergewöhnlichen Präsentation der Arbeiten. Ein Raum wird zum Environment, Hennings Landschaften, Porträts und Stillleben und in diesem Raum sogar der Teppich formen ein umfassendes Erlebnis seines Stils. Dieser greift dabei mit seinen Bezügen auf künstlerische Vorbilder über diesen Raum hinaus in andere Säle der Kunsthalle über, in denen sich die Werke der klassischen Moderne und weiterer Epochen und Stile befinden, die sich in Hennings Malerei reflektieren.

Ganz ähnlich in Bonn, wo im Kunstmuseum ebenfalls ein Henning-Raum zu begehen ist. Auch hier sind es Schenkungen, mit denen er dem Haus Zugang zu seinen Arbeiten gegeben hat, Hennings Kunst gestaltet hier die Wände und einen Tisch. Wiederum sind die Vorbilder im selben Haus zugegen, Bezüge können direkt nachvollzogen werden. Die Sammlung Philara präsentiert zeitgleich eine ganze Einzelausstellung. Der verschmitzte Titel „Träume, Trichter Tricksereien“ erzählt wiederum von der gut gelaunten Ernsthaftigkeit seiner Arbeit, aber auch konkret von seinem Herangehen. Der Trichter, der hier zunächst wenig in die Reihe zu passen scheint, entpuppt sich als Mittel, über das Henning die Werke seiner Kollegen anzuzapfen scheint. Eine Art der Teilhabe, die sich im Bild zeigt: Christus ist mit einem Trichter im Bauchnabel zu sehen, was für manche verstörend wirken kann, aber auch als eine originelle Darstellungsart der Eucharistie wahrgenommen werden könnte, Anton Hennings ernsthafte und in seiner Offenheit erfrischende Sicht auf die Welt.

Christian Hofmann lebt und arbeitet als Autor im Rheinland.

Anton Henning. Träume, Trichter & Tricksereien
18.10.2025 – 25.1.2026
Sammlung Philara
Birkenstr. 47
D-40233 Düsseldorf
Tel.: +49-211-24862721
Fr 16 – 20 Uhr, Sa + So 14 – 18 Uhr
Eintritt: freiwillig
www.philara.de

Anton Henning. Interieur No. 681
seit 15.7.2025
Kunstmuseum Bonn
Museumsmeile
Helmut-Kohl-Allee 2
D-53113 Bonn
Tel.: +49-228-776260
Di – So 11 – 18 Uhr, Mi 11 – 19 Uhr
Eintritt: 10 €, erm. 5 €
www.kunstmuseum-bonn.de

Anton Henning. Interieur No. 687
seit 9.10.2025
Kunsthalle Bremen
Am Wall 207
D-28195 Bremen
Tel.: +49-421-329080
Di 10 – 21 Uhr, Mi – So 10 – 18 Uhr
Eintritt: 12 €, erm. 5 €
www.kunsthalle-bremen.de

Text: Christian Hofmann
Bild: Sammlung Philara
Erstveröffentlichung in kunst:art 106

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