Michael Beutler erhält den Nam June Paik Award 2025

Der Bildhauer Michael Beutler gewinnt den mit 25.000 Euro dotierten Kunstpreis der Kunststiftung NRW. Der in Berlin und Aachen lebende Künstler will das Kunstmuseum Gelsenkirchen in eine begehbare Papierwerkstatt verwandeln.

Die Kunststiftung NRW gab die Entscheidung am Dienstag bekannt, wobei Beutler sich gegen mehrere Mitbewerber durchsetzte, deren Konzepte ebenfalls auf den Ausstellungsort Gelsenkirchen zugeschnitten waren. Die Preisverleihung findet am 26. April 2026 im Kunstmuseum Gelsenkirchen statt, einer ehemaligen Fabrikantenvilla, die als Kooperationspartner der diesjährigen Ausgabe fungiert. Neben dem Preisgeld erhält Beutler eine Einzelausstellung sowie eine begleitende Publikation.

Der 1976 in Oldenburg geborene Künstler ist für seine raumgreifenden Installationen aus recycelbaren Materialien bekannt, bei denen der Entstehungsprozess selbst zum Werk wird. Mit selbstgebauten Maschinen und Werkzeugen – sogenannten Proto-Maschinen – faltet, wickelt und webt Beutler Strukturen aus Papier, Wellpappe oder Textilien, die ganze Ausstellungsräume transformieren. Für Gelsenkirchen plant er, die historische Villa in eine Werkstatt für Altpapier-Skulpturen zu verwandeln, in der Besucherinnen und Besucher die Produktionsprozesse unmittelbar erleben können.

Jury würdigt Bezug zur Industriegeschichte

Die dreiköpfige Jury, bestehend aus dem Künstler Marcel Odenbach, der Autorin Enis Maci und der Kuratorin Heike Munder, begründete ihre Wahl mit dem konzeptuellen Bezug zur Geschichte des Ausstellungsortes. Papier sei nicht nur Teil des kulturellen Gedächtnisses, sondern auch Ergebnis handwerklicher Prozesse, die heute kaum mehr existierten, heißt es in der Begründung, zumal die Erinnerung an die soziale Bedeutung manueller Arbeit in Gelsenkirchen als ehemaliger Fabrikstadt besonders nachhalle.

Beutler studierte von 1997 bis 2003 an der Städelschule Frankfurt bei Thomas Bayrle und absolvierte ein Masterstudium an der Glasgow School of Art. Seit 2019 lehrt er als Professor, zunächst an der Hochschule für bildende Künste Hamburg, mittlerweile an der RWTH Aachen. Zu seinen jüngsten Projekten zählen Einzelausstellungen im Brüsseler Kulturzentrum BOZAR sowie im belgischen Kunstzentrum Z33 in Hasselt. International bekannt wurde er unter anderem durch seine Teilnahme an der 57. Biennale di Venezia 2017 und die Ausstellung „Moby Dick“ im Hamburger Bahnhof Berlin 2015. Er wird von der Galerie Nagel Draxler sowie der Galerie Bärbel Grässlin vertreten.

Öffnung für alle Genres seit 2023

Der Nam June Paik Award wird seit 2002 alle zwei Jahre von der Kunststiftung NRW vergeben und zählt zu den wichtigsten Kunstpreisen in Deutschland. Benannt ist er nach dem koreanischen Künstler Nam June Paik, der als Pionier der Videokunst gilt und von 1979 bis 1996 an der Kunstakademie Düsseldorf lehrte. Ursprünglich auf Medienkunst ausgerichtet, öffnete die Stiftung den Preis 2023 für alle künstlerischen Genres und benannte ihn in „Kunstpreis der Kunststiftung NRW – Nam June Paik Award“ um.

Die Wahl Beutlers setzt diese Neuausrichtung konsequent fort, da sein Werk auf analoge, handwerkliche Prozesse setzt und damit einen bewussten Kontrapunkt zum digitalen Zeitalter bildet. Gleichwohl lassen sich Verbindungen zu Paiks Schaffen herstellen, weil beide Künstler prozessorientiert und partizipativ arbeiten und etablierte Produktionsformen hinterfragen. Zu den früheren Preisträgern gehören unter anderem die norwegische Künstlerin Camille Norment, die den Preis 2023 erhielt, sowie Sondra Perry (2018), Lawrence Abu Hamdan (2016) und Camille Henrot (2014).

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