Im Pariser Louvre wurden Ende November durch einen Wasserschaden 300 bis 400 wissenschaftliche Publikationen beschädigt. Als Reaktion auf den Vorfall kündigte die Belegschaft für den 15. Dezember einen unbefristeten Streik an.
Am Abend des 27. November drang kurz vor 21 Uhr Wasser durch die Zwischendecke der Bibliothek für Ägyptische Altertümer im Pavillon Mollien, wobei die Flüssigkeit bis ins untere Stockwerk gelangte und einen Niederspannungsverteiler erreichte. Wie Francis Steinbock, stellvertretender Generaldirektor des Museums, gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP bestätigte, wurde der Schaden durch das versehentliche Öffnen eines Ventils im hydraulischen Heizungs- und Lüftungssystem verursacht, das sich nach Angaben der Gewerkschaft CFDT-Culture in einem Zustand „totalen Verfalls“ befand.
Betroffen sind zwischen 300 und 400 Bände, bei denen es sich um ägyptologische Fachzeitschriften, Grabungsberichte und wissenschaftliche Dokumentationen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert handelt. Steinbock bezeichnete die Werke als „extrem nützlich und vielfach nachgefragt“, relativierte jedoch zugleich, dass es sich nicht um weltweit einzigartige Patrimonialgüter handle. Die beschädigten Bände werden derzeit Seite für Seite getrocknet und sollen anschließend von Buchbindern restauriert werden.
Kritik an jahrelang bekannten Mängeln
Die französische Fachpublikation La Tribune de l’Art berichtete bereits am 5. Dezember über den Vorfall und warf der Museumsleitung vor, die Schäden seien „vorhersehbar“ gewesen. Das betroffene Leitungssystem war seit Monaten abgeschaltet, da es regelmäßig zu kleineren Lecks kam, zumal ein Austausch erst ab September 2026 geplant ist. Während für Designer-Mobiliar in den Direktionsbüros oberhalb der Bibliothek 276.000 Euro ausgegeben wurden, seien Schutzmaßnahmen für die wertvollsten Bände verweigert worden. Die monumentale „Description de l’Égypte“ und Karl Richard Lepsius‘ „Denkmäler aus Ägypten und Äthiopien“ lagern weiterhin unter Fenstern, geschützt lediglich durch Luftpolsterfolie.
Der Wasserschaden reiht sich in eine Serie von Vorfällen ein, die das weltgrößte Museum erschüttern. Im Oktober wurde das Haus Opfer eines Juwelendiebstahls, bei dem Schmuckstücke im Wert von über 100 Millionen Euro entwendet wurden. Im November musste die Campana-Galerie wegen baulicher Mängel im Sully-Flügel geschlossen werden, während bereits im November 2023 eine Ausstellung wegen Überschwemmung vorzeitig beendet werden musste. Der französische Rechnungshof hatte im Oktober 2024 massive Kritik an der Unfähigkeit des Museums geübt, seine Infrastruktur zu modernisieren.
Unbefristeter Streik angekündigt
Am 8. Dezember stimmten rund 200 Louvre-Mitarbeiter einstimmig für einen unbefristeten Streik ab dem 15. Dezember. Die Gewerkschaften CGT, SUD und CFDT fordern ein Eingreifen von Kulturministerin Rachida Dati sowie ausreichende Finanzmittel für die Infrastruktur des Hauses. Nach Einschätzung der CFDT besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Museum am ersten Streiktag geschlossen bleiben wird.


