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Frank Gehry ist tot

Der kanadisch-amerikanische Architekt Frank Gehry ist am 5. Dezember im Alter von 96 Jahren in Santa Monica gestorben. Mit dem Guggenheim Museum Bilbao schuf er eines der einflussreichsten Bauwerke der jüngeren Architekturgeschichte.

Wie seine Stabschefin Meaghan Lloyd gegenüber der New York Times bestätigte, starb Gehry friedlich in seinem Haus nach kurzer Atemwegserkrankung im Kreis seiner Familie. Der Pritzker-Preisträger von 1989 galt als einer der bedeutendsten Architekten seit Frank Lloyd Wright, wobei seine geschwungenen Titanfassaden und scheinbar die Schwerkraft aufhebenden Formen das Verständnis davon veränderten, was Gebäude sein können.

Frank Owen Goldberg, so sein Geburtsname, kam am 28. Februar 1929 in Toronto zur Welt. Seine jüdische Familie stammte aus Polen und Russland; sein Großvater betrieb einen Eisenwarenladen, dessen Holzreste der junge Frank mit seiner Großmutter zu imaginären Städten auf dem Wohnzimmerboden aufbaute. 1947 emigrierte die Familie nach Kalifornien, wo Gehry zunächst planlos studierte, bevor er durch einen Keramiklehrer zur Architektur fand. 1954 schloss er sein Studium an der University of Southern California ab und änderte im selben Jahr auf Drängen seiner ersten Frau seinen Namen von Goldberg zu Gehry – eine Entscheidung, die er später öffentlich bereute.

Der Durchbruch im eigenen Wohnzimmer

1962 gründete Gehry sein eigenes Büro in Los Angeles, doch der entscheidende Wendepunkt kam erst 1978, als er sein Haus in Santa Monica mit Wellblech, Maschendrahtzaun und Sperrholz umhüllte. Diese radikale Dekonstruktion bürgerlicher Wohnästhetik wurde zur Ikone und Teil der legendären MoMA-Ausstellung „Deconstructivist Architecture“, zumal Gehry dort bis zu seinem Tod lebte. Seine frühen Werke zeichneten sich durch „arme“ Materialien aus, bevor er mit dem Vitra Design Museum in Weil am Rhein 1989 den Übergang zur skulpturalen Eleganz vollzog.

Das Guggenheim Museum Bilbao von 1997 veränderte alles: 33.000 hauchdünne Titanplatten umhüllen ein Gebäude, das sich wie eine gigantische Metallflamme am Ufer des Nervión erhebt. Philip Johnson, selbst Architekturlegende, nannte es unter Tränen „das größte Gebäude unserer Zeit“. Das Museum generierte in den ersten drei Jahren rund 500 Millionen Euro für die lokale Wirtschaft und prägte den Begriff „Bilbao-Effekt“ für die transformative Kraft ikonischer Architektur auf ganze Städte.

Bedeutende Bauten in Deutschland

In Deutschland hinterließ Gehry ein substanzielles architektonisches Erbe, das mit dem Vitra Design Museum in Weil am Rhein begann und sein europäisches Debüt darstellte. Es folgten der Neue Zollhof im Düsseldorfer Medienhafen mit drei ineinander verschränkten Bürotürmen aus rotem Klinker, weißem Putz und wellenförmigem Edelstahl sowie das MARTa Herford, dessen geschwungenes Edelstahldach sich über regionaltypischem Ziegelstein erhebt. Die DZ Bank am Pariser Platz in Berlin von 2001 gilt als eine seiner subtilsten Arbeiten im sensiblen Umfeld des Brandenburger Tors.

Die Guggenheim-Stiftung würdigte Gehry als „visionären Architekten, dessen Werk unsere Institution umgestaltete und Städte weltweit veränderte“. Bernard Arnault, dessen LVMH-Konzern die Fondation Louis Vuitton in Paris erbauen ließ, sprach von einem „Genie der Leichtigkeit, Transparenz und Anmut“. Barack Obama hatte ihm 2016 die Presidential Medal of Freedom verliehen mit den Worten: „Seine Gebäude lehren uns, dass sie wie alle große Kunst unseren Geist erheben können.“

Gehry hinterlässt seine Ehefrau Berta Isabel Aguilera sowie vier Kinder. Seine Bauten werden als Beweis dafür bleiben, dass Architektur mehr sein kann als funktionale Hülle. Das von ihm entworfene Guggenheim Abu Dhabi soll im kommenden Jahr eröffnen und mit 42.000 Quadratmetern das größte der vier Guggenheim-Museen werden.

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