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Wien kürzt Kulturbudget um 7,6 Prozent

Kulturbudget 2026

Der Wiener Gemeinderat hat das Kulturbudget 2026 verabschiedet, das mit 322 Millionen Euro deutlich unter dem des Vorjahres liegt. Prominente Opfer sind die Kammeroper der Vereinigten Bühnen und das Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker in Schönbrunn.

Die Debatte im Wiener Rathaus am 16. Dezember 2025 zog sich über viele Stunden, wobei die SPÖ-geführte Stadtregierung ihre Sparstrategie gegen heftige Kritik der Opposition verteidigte. Das Kulturbudget sinkt von 349 auf 322 Millionen Euro, was einem Rückgang von 7,6 Prozent entspricht, wenngleich sich ein erheblicher Teil des Minus durch auslaufende Einmalprojekte wie das Johann-Strauss-Festjahr und den Bau eines Kinderkulturzentrums erklärt. Die tatsächlichen Kürzungen bei laufenden Betrieben belaufen sich auf rund acht Millionen Euro.

Vereinigte Bühnen Wien verlieren fünf Millionen Euro

Die größte Einzelkürzung trifft die Vereinigten Bühnen Wien mit fünf Millionen Euro weniger pro Jahr, was unmittelbare Konsequenzen für den Spielbetrieb hat. Die Kammeroper, die zuletzt als Experimentierfeld für zeitgenössisches Musiktheater diente, wird ab der Saison 2026/27 nicht mehr bespielt, da das sanierungsbedürftige Haus unter den neuen Budgetbedingungen nicht weiterbetrieben werden kann. Die Musicalbühnen Raimundtheater und Ronacher müssen ebenfalls Einschnitte verkraften, wobei die Geschäftsführung betriebsbedingte Kündigungen unter den rund 800 Mitarbeitern vermeiden will.

Die Wiener Philharmoniker reagierten mit einem ungewöhnlich deutlichen Statement auf die Streichung ihrer Förderung für das Sommernachtskonzert im Schlosspark Schönbrunn in Höhe von 250.000 Euro. Vorstand Daniel Froschauer erklärte, man sei „erstaunt“ über die Entscheidung, und es sei ungewiss, ob die Veranstaltung 2026 noch stattfinden könne. Das kostenlose Open-Air-Konzert zieht seit Jahren ein Publikum von mehr als 100.000 Menschen an.

Wien Museum schließt historische Außenstellen

Das Wien Museum aktiviert die vertragliche Einbehaltsklausel, die Kürzungen von 2,5 Prozent im Jahr 2026 und fünf Prozent im Jahr 2027 vorsieht. Ab März 2026 bleiben mehrere Außenstellen geschlossen, darunter die Johann-Strauss-Wohnung, das Haydnhaus, Schuberts Sterbewohnung sowie der Neidhart Festsaal mit den ältesten weltlichen Wandmalereien Wiens aus dem 14. Jahrhundert. Der Gratiseintritt im erst 2023 wiedereröffneten Haupthaus bleibt hingegen erhalten.

Mehrere etablierte Programme fallen dem Sparzwang vollständig zum Opfer: Das „Wir sind Wien“-Festival wird nach 16 Jahren ersatzlos gestrichen, das Kulturförderprogramm „Shift“ endet nach elf Jahren, und die Wienwoche findet künftig nur noch alle zwei Jahre statt, sodass 2026 keine Ausgabe geplant ist. Die Zahl der Arbeitsstipendien für Künstlerinnen und Künstler sinkt von 84 auf 48, der Altstadterhaltungsfonds wird komplett auf null gesetzt.

Freie Szene warnt vor Kahlschlag

Neun Interessenvertretungen, darunter die IG Kultur Wien und der Kulturrat Österreich, hatten bereits Ende November einen offenen Brief unter dem Titel „Kulturstadt Wien retten!“ veröffentlicht. Die Geschäftsführerin der IG Kultur Wien, Vera Wolf, kritisiert vor allem die fehlende Planungssicherheit durch verkürzte Förderperioden, zumal statt mehrjähriger Verträge nun auch große Theater wie das Theater in der Josefstadt nur noch Einjahresförderungen erhalten.

Das Kulturzentrum Amerlinghaus am Spittelberg, seit 50 Jahren ein Fixpunkt der Wiener Freien Szene, steht exemplarisch für die Existenzängste kleinerer Einrichtungen. Die Förderung soll von 300.000 auf 137.000 Euro gekürzt werden, weshalb das Haus Anfang Dezember zu einer Demonstration unter dem Motto „Amerlinghaus bleibt!“ aufrief.

Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler verteidigte das Budget als „blaues Auge, mit dem wir arbeiten können“, während SPÖ-Gemeinderat Peko Baxant die Formel prägte, Wien spare „mit der Pinzette, nicht mit der Kettensäge“. Die Kürzungen sind Teil eines umfassenden Sparpakets, das durch das EU-Defizitverfahren gegen Österreich erzwungen wurde, nachdem das Land 2024 mit einer Neuverschuldung von 4,7 Prozent des BIP die Maastricht-Grenze deutlich überschritten hatte. Wiens Gesamtschulden erreichen mit knapp 15 Milliarden Euro einen Rekordstand.

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