Nach 16 Jahren kultureller Expansion unter PETO-Bürgermeister Daniel Zimmermann stellt Monheim am Rhein seine Kulturpolitik auf den Prüfstand. Alicja Kwades 8,4-Millionen-Euro-Projekt „Blaues Band“ ist bereits Geschichte.
Der Stadtrat der nordrhein-westfälischen Kommune beschloss am 11. Dezember 2025 mit breiter Mehrheit das Aus für das geplante Kunstwerk der in Berlin lebenden Bildhauerin, das die Brandenburger Allee in ein begehbares Ensemble aus freistehenden Rahmen und Wasserbecken verwandeln sollte. Die Entscheidung fiel nur wenige Wochen nach dem Amtsantritt von Bürgermeisterin Sonja Wienecke, die im September 2025 mit 54,79 Prozent der Stimmen gewählt worden war und seither einen Kurswechsel einleitet.
Die parteilose Wienecke, unterstützt von CDU, SPD, Grünen und FDP, hatte im Wahlkampf die Ausgabenpolitik ihres Vorgängers kritisiert und erklärt, Monheim sei „leider für seinen Gigantismus bekanntgeworden“. Die Stadt steht unter einem Haushaltssicherungskonzept, die Pro-Kopf-Verschuldung von 23.400 Euro gilt als die höchste in Nordrhein-Westfalen. Das Kwade-Projekt, ursprünglich auf 3,9 Millionen Euro kalkuliert, hätte nach aktuellen Schätzungen 8,4 Millionen Euro gekostet.
Politisch brisant ist der Umstand, dass Ex-Bürgermeister Zimmermann den finalen Kunstvertrag an seinem letzten Amtstag unterzeichnete, wobei er Kwade ein Honorar von 1,24 Millionen Euro zusicherte – unabhängig von der Realisierung. Die Absage kostet die Stadt daher rund 1,6 Millionen Euro, spart aber netto etwa sechs Millionen. CDU-Fraktionschef Marcus Gronauer betonte, dieses eine Projekt sei „teurer als alle bisherigen Kunstvorhaben der Stadt zusammen“.
Auch die Monheim Triennale, ein 2020 gegründetes Festival für experimentelle Musik mit internationaler Resonanz, steht vor dem Aus. Am 10. Dezember sollte der Aufsichtsrat die vorzeitige Kündigung von Intendant Reiner Michalke beschließen. Künstler protestierten bereits, die schwedischen Musiker Sofia Jernberg und Mats Gustafsson sagten aus Solidarität ein Konzert ab. Die Kulturraffinerie K714, deren Kosten auf 156 Millionen Euro stiegen, wird hingegen fertiggestellt, da der Bau zu weit fortgeschritten ist.
