
Ins Bild gekehrt
Lange Zeit diente die Rückenfigur in der Malerei als einladende Geste. Sie war unscheinbar und dunkel im Bildvordergrund einer Landschaft platziert und lenkte den Blick des Publikums in die unendliche Weite der Darstellung. Als kleine, sogenannte Repoussoirfigur stand sie im ehrfürchtigen Gegensatz zur Erhabenheit der Natur. Mit Caspar David Friedrich und dessen durchaus dominantem Personal in Rückenansicht änderte sich das. In seinem wohl berühmtesten Bild „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ von 1818 folgt man nicht nur dem Blick des Protagonisten, sondern taucht auch in dessen Gefühlswelt ein.
Wie Schweizer Malerinnen und Maler das Thema heute aufgreifen, ist ab Mitte September in der Ausstellung „Ein schöner Rücken kann auch entzücken“ im Kunsthaus Interlaken zu sehen. Zum Beispiel in Kotscha Reists sinnigem Gemälde „Die Betrachtung 2“ von 2026, in dem einige Besucherinnen und Besucher vor einem Bild im Museum stehen. Als dunkle Rückenfiguren referieren sie direkt auf die realen Menschen im Raum. Oder in Silvia Gertschs Arbeit „Misty II“ aus dem Jahr 2022, einer eher sphärischen Angelegenheit, in der eine männliche Gestalt zur Hauptfigur einer offenen Erzählung wird. Weitere Positionen stammen von Annette Barcelo, Stéphane Belzère, Samuel Blaser, Urs Dickerhof, Max Hari, Mingjun Luo, Simon Meir, Geneviève Morin, Claudia & Julia Müller, Andrea Muheim, Francisco Sierra, Inga Steffens und Michael Streun.
Ein schöner Rücken kann auch entzücken
12.9. – 15.11.2026
Kunsthaus Interlaken
Jungfraustr. 55
CH-3800 Interlaken
Tel.: +41-33-8221661
Mi – Sa 14 – 17 Uhr, So 11 – 17 Uhr
Eintritt: 8 CHF, erm. 5 CHF
www.kunsthausinterlaken.ch