Petersdorff und Schröter Ausstellung in der Kunsthalle Talstrasse

28.8.2026 – 15.11.2026 | Kunsthalle Talstrasse

Annette Schröter, Kleingarten im August, 2023

Es grünt so grün in deutschen Gärten

Der gebürtige Leipziger Moritz Schreber (1808–1861) studierte Medizin. In seinen Schriften beschäftigte er sich mit der Gesundheit von Kindern und Erwachsenen in den Städten bei der zunehmenden Industrialisierung. Erst nach Schrebers Tod wurde der erste nach ihm benannte Gartenverein gegründet. Während vor der Pandemie viele Gartenvereine aufgegeben wurden oder Bauprojekten weichen mussten, setzte mit den Einschränkungen von Corona genau das Gegenteil ein. Plötzlich war der Kleingarten die Lösung für Ausgeh- und Reiseverbote. Ein Trend, der aufgrund gestiegener Preise bei Urlaubsreisen oder Lebensmitteln anhält.


Die Künstlerinnen Gudrun Petersdorff (* 1955) und Annette Schröter (* 1956) arbeiten bis heute unverändert in ihren Ateliers und stellen national wie international aus. Beide haben unabhängig voneinander vor ein paar Jahren das Thema Kleingarten entdeckt.


Gudrun Petersdorff, geboren in Ludwigslust, studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig, unter anderem Malerei bei Bernhard Heisig (1925–2011). Heisig war einer der Mitbegründer der Leipziger Schule. Annette Schröter, geboren in Meißen, studierte ebenfalls bei Heisig. 1985 reiste sie mit ihrem Mann in den Westen aus und kehrte 1997 nach Leipzig zurück. Von 2006 bis 2022 war sie Professorin für Malerei und Grafik an der HGB in Leipzig. 2001 entdeckte sie den Scherenschnitt für ihre künstlerische Arbeit.


Der Garten ist eine Welt für sich. Die einen lieben ihn aufgeräumt wie ihr Wohnzimmer, andere lassen ihn wegen des Schutzes der Artenvielfalt in bestimmten Ecken verwildern. Nicht zu vergessen die Regeln, die jeder Gartenverein hat, an die man sich als Pächter halten muss.


Die beiden Künstlerinnen haben einen eigenen Blick auf die Gartenparzelle. Die Vielfalt der Gartenkultur schlägt sich eindrucksvoll in den Arbeiten nieder. So lassen sich diverse Relikte aus DDR-Zeiten als Inspirationsquelle finden oder besonders originell gestaltete Gärten. Auch die Architektur der Gartenlauben findet Berücksichtigung in den Werken. Ebenso Zäune, Gartentore, Wege, Sichtachsen und Beete. Die Fantasie der Kleingärtner ist in der Tat grenzenlos.


Zu DDR-Zeiten gab es einen bestimmten Bungalow-Typ, der das Bild der Gärten bestimmte, die neue Pächter hatten. Sie waren großzügiger geschnitten als eine Gartenlaube und man konnte darin übernachten. Den Sommerurlaub kann man bis heute dort mühelos verbringen. Ein paar Quadratmeter Garten können die Lebensqualität erheblich verbessern, denn er bedeutet, abschalten zu können von den Alltagsproblemen. Da macht sogar Unkrautzupfen Spaß. Davon erzählen die Arbeiten der beiden Künstlerinnen. Es macht enorme Freude, in die Welt des Kleingartens einzutauchen. Beim Garten mag man zuerst an Blumen, Gemüse und Obst denken, aber dahinter steckt tatsächlich eine Lebenskultur. Es ist in jedem Fall ein Thema, mit dem man sich identifizieren und für das man sich begeistern kann. Die Kunsthalle Talstrasse verfügt über einen wunderschönen Felsengarten.


Nadja Naumann, freie Journalistin in Mitteldeutschland, liebt selbst das Gärtnern und zieht ihre Gemüsepflanzen selbst.

Zaunkönig. Gudrun Petersdorff und Annette Schröter
28.8. – 15.11.2026
Kunsthalle Talstrasse
Talstr. 23
D-06120 Halle (Saale)
Tel.: +49-345-5507510
Mi + Fr 13 – 17 Uhr, Do 13 – 19 Uhr, Sa + So 11 – 17 Uhr
Eintritt: 8 €, erm. 6 €
www.kunstverein-talstrasse.de