LICHTJAHRE – RUPPRECHT GEIGER HELLMUT BRUCH – INGE DICK – GERHARD FRÖMEL

1.10.16 – 26.2.17 | MUSEUM ANGERLEHNER

Unter dem programmatischen Titel »Lichtjahre« präsentiert das Museum Angerlehner erstmalig in Österreich eine Personale des deutschen Künstlers Rupprecht Geiger und eine Gruppenausstellung mit den konkreten Künstlern Hellmut Bruch, Inge Dick und Gerhard Frömel.

Am Anfang war die Farbe: Porträts der Farben »Cerise« und »Red«, gerollte Farbbilder wie die Leinwandarbeit »pinc vital« oder eine shaped canvas, die Kreis und Quadrat miteinander verbindet und mit »Farbe als Licht« betitelt ist, führen die ästhetischen Präferenz des autodidaktischen Künstlers Rupprecht Geiger (1908–2009) exemplarisch vor Augen. Dabei lieferte ein Zufall, eine kleine Geschichte, die sich im Nachkriegsdeutschland zutrug, die Initialzündung für ein Lebenswerk. Ein Lippenstift, der in einem Care-Paket an Geigers Frau verpackt war, wurde zum unkonventionellen, aber zukunftsträchtigen Malinstrument und der studierte Architekt Geiger entdeckte seine Leidenschaft für die Farbe Rot: »Rot ist Leben, Energie, Potenz, Macht, Liebe, Wärme, Kraft. Rot macht high«. Sie sollte ihn – der sich jeden Tag im Atelier eine Farbdosis verabreichte – während eines über hundertjährigen Lebens begleiten. Dabei erforschte er in seinem Werk mit äußerster Akribie und unter Ausschluss von vielen anderen künstlerischen Fragestellungen die Ausdruckswerte unterschiedlicher Schattierungen von Rot, die von Gelb bis zu Blau reichen: »Gelb nenne ich auch eine rote Farbe. Sie ist dem Licht sehr nahe. Zu Beginn sehr aufleuchtend, sich allmählich verdunkelnd über Orange nach Rot und schließlich die Wendung zum Abendrot vollziehend, in immer tiefere Tönungen absinkend, um schließlich in die Finsternis der Nacht überzugehen und zwar in einer Skala, die ich genau vorgezeichnet habe: über Weiß, Gelb, Orange, Rotorange und allmählich Violett,
Dunkel-Violett und noch tiefer zu Kadmiumrot bis Schwarz. Das ist praktisch meine Skala.«
Die Vertikalität der Staffelei tauschte Geiger gegen die Horizontalität eines Malprozesses auf Tisch und Boden; ab Mitte der 1960er-Jahre verwendete er fluoreszierende Acrylfarbe, die er häufig mit einer Spritzpistole auf seine Hintergründe applizierte: Es entstanden ausgedehnte Farbflächen mit changierenden Horizontlinien als Relikte einer Landschaftsmalerei, subtile Farbverläufe und spannungsgeladene Bildkombinationen. In der großformatigen Arbeit »pinc contra orange« kommt es zum Wettstreit zweier Farbtöne und zur Überwindung des klassischen Bildgevierts in einer Parallelisierung von geometrischen Formen.

Text: MUSEUM ANGERLEHNER | Foto: MUSEUM ANGERLEHNER
Externer Link: MUSEUM ANGERLEHNER

 

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