Wo Menschen fliegen. – Marc Chagalls Bibelillustrationen im Kunstmuseum Heidenheim

8.10.2017 – 18.2.2018 | Kunstmuseum Heidenheim

Marc Chagall, Schöpfung, 1960. VG Bild-Kunst.

 

von Stefan Simon //

 

Ausstellungen mit Bildern zur Bibel, insbesondere aus Chagalls Werkstatt, sind eigentlich nichts Neues. Dennoch lohnt sich die Fahrt nach Heidenheim. Museumsleiter René Hirner hat am Ende des Reformationsjahres das fast komplette religiöse Œuvre Chagalls im Medium der Druckgrafik aus verschiedensten Sammlungen zusammengetragen. 105 Radierungen zur Bibel sind zu sehen, 40 Farb-Lithografien („von der sogenannten Verve-Bibel“), 24 Farblithos der „Exodus“-Serie, zwölf Entwürfe für Glasfenster in Jerusalem und schließlich 30 Radierungen der späten Psalmen Davids, dazu noch einige Einzelblätter.

Wenn ein Künstler die Bibel illustriert, setzt das voraus, dass er sie kennt. Auf Grund seines jüdischen Bekenntnisses chassidischer Prägung gelangte Chagall in diesem Zyklus zu sehr persönlichen Darstellungen, die bis heute in ihrer fast naiv wirkenden Art überaus berühren. Für Juden ist das Alte Testament das maßgebliche Werk religiöser Orientierung. So ist etwa das „Passah Mahl“, ein zentrales Fest des jüdischen Volkes, ein wichtiges Motiv. Chagall hat die Bibelgeschichte nicht neu erfunden, aber er versetzt das bekannte Personal in seinen VV in den für ihn VV typischen träumerischen Schwebezustand und erreicht damit auch ein eher areligiöses Publikum. Standfeste Propheten wie Moses lässt er mit seinen schweren Gesetzestafeln abheben und der Auszug aus Ägypten wird eher fliegend als Wasser durchschreitend illustriert. Der „unbewusst bewusste Maler“ (Chagall) hat die spektakulären Ereignisse aus dem Buch der Bücher nicht minder spektakulär in seine ganz eigene Bildwelt übersetzt.

 

Marc Chagall: Bilder zur Bibel
8.10.2017 – 18.2.2018, Kunstmuseum Heidenheim
Marienstr. 4, D-89518 Heidenheim
Tel.: +49-7321-3274810
Di – So 11 – 17 Uhr, Mi 13 – 19 Uhr
Eintritt: 5 €, erm. 2,50 €
www.kunstmuseum-heidenheim.de

 

Text aus der kunst:art 58

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen