Sinnbild des Menschen

27.8.2020 – 6.1.2021 | Belvedere 21

Zbyněk Sekal, Kupferschrein I-IV, 1991 (Foto Johannes Stoll)

Das Belvedere in Wien stellt mit Zbyněk Sekal einen Künstler aus, der in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich ist. Philosophisch interessiert, politisch links ausgerichtet, stand er zeit seines Lebens für seine Überzeugungen ein und musste dafür einiges aushalten. Aufgrund seiner politischen Haltung sowie der Unterstützung linker Organisationen bekam er schon während seiner Studienjahre Schwierigkeiten mit der Obrigkeit, das Verteilen von Flugblättern gegen die Nationalsozialisten brachte ihn in der Zeit von 1941 bis 1945 in das Gefängnis von Prag-Pankrác und in die Konzentrationslager von Theresienstadt und Mauthausen.

Seine extremen Lebenserfahrungen verarbeitete er mit Hilfe von Malerei und Bildhauerei, etliche seiner minimalistischen Werke versinnbildlichen die Ausweglosigkeit, in der er sich oftmals befand. Als Beispiel sei hier die Arbeit „Schema eines zweckmäßigen Betriebes“ aus dem Jahr 1964 genannt, in der er verschlungene Irrwege mit in sich verdrehtem Kupferdraht darstellt. Sein analytischer Verstand und seine offene Haltung befähigten ihn jedoch, neue Wege und Möglichkeiten, sowohl in seinem Leben als auch in seiner künstlerischen Arbeit, zu erkennen und anzunehmen.

Seine Begeisterung für den Surrealismus kann als Ausdruck seiner Freiheitsliebe und seines Aufbegehrens gegen traditionelle Normen gewertet werden. Die Beschäftigung mit fernöstlicher Philosophie und die Erkenntnisse daraus finden sich in der Anfertigung sogenannter Schreine wieder, Holzkonstruktionen, die an japanische Shinto-Schreine erinnern. Auch seine strukturierte Denkweise und seine Vorliebe für ordnende Systeme kommen darin zum Ausdruck.

Literarische Vorbilder hat Zbyněk Sekal in Franz Kafka, Jean Paul Sartre und Martin Heidegger gefunden, er übersetzte Werke von Georg Büchner, Günter Grass, Ludwig Feuerbach und Karl Marx ins Tschechische. Beeinflusst hat ihn auch die Freundschaft mit dem Philosophen Ivan Dubský, er führte Tagebücher, in denen er seine philosophischen Überlegungen notierte.

Nach den Ereignissen des Prager Frühlings emigrierte Sekal nach Deutschland, 1970 übersiedelte der 1923 in der tschechischen Hauptstadt geborene Künstler dann nach Wien, wo er bis zu seinem Tod 1998 blieb. 1974 trat er der Wiener Secession bei, 1984 erhielt er den Preis der Stadt Wien für Bildhauerei. Sein von Flucht und Exil geprägtes Leben verlief von nun an in ruhigeren Bahnen.

Im Belvedere 21 werden insgesamt 73 Arbeiten des Künstlers gezeigt, darunter verschiedene Schreine, Malereien sowie Skulpturen aus Bronze, Stein, Gips und Holz. Das Werk Zbyněk Sekals ist geprägt von einer tiefen Menschlichkeit und philosophischen Betrachtungen.

 

 

Zbyněk Sekal
27.8.2020 – 6.1.2021
Belvedere 21
Arsenalstr. 1
A-1030 Wien
Tel.: +43-1-795570
Di – So 11 – 18 Uhr
Eintritt: 9 €, erm. 7 €
www.belvedere.at

Text: Karin Gerwens
Bild: Belvedere 21
Erstveröffentlichung in kunst:art 75