Abschiedsausstellung

Finale - Director´s Cut | 27.11.2021-08.05.2022

Wer kennt das nicht? In gut dreißig Jahren sammelt sich eine Menge Kram an. Normalerweise freut man sich nicht, wenn Freunde das alles zusammentragen und einem zum Umzug zeigen. Hier liegt der Fall aber anders: Der „Kram“ sind die vielen Kunstwerke, die Direktorin Britta Buhlmann gemeinsam mit ihrem Team in den vergangenen drei Jahrzehnten für das Museum neu angeschafft hat. Die Freunde sind hier ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und statt des Umzugs geht Frau Buhlmann in den Ruhestand, nachdem sie seit 1994 das Museum leitet.

Wer Frau Buhlmann einmal in „ihrem“ Museum erleben durfte (am besten gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin Annette Reich), der vergisst dieses Erlebnis nicht. Es ist ganz offensichtlich für Frau Buhlmann kein Verwaltungsjob, den man halt erledigt, sondern eine Herzensangelegenheit. Sie zieht einen quasi von einem Bild zum nächsten, erklärt die Umstände des Erwerbs oder warum diese Künstlerin oder jener Künstler besonders spannend ist. Hier lebt jemand für die Kunst!

Zum Abschied von Direktorin Britta Buhlmann wurden für die Ausstellung „Finale – Director´s Cut“ von ihr selbst hundert Kunstwerke ausgewählt, die allerdings dann ihre vier Kuratorinnen und ein Kurator auf das Haus verteilt und thematisch zusammengruppiert haben. So trägt diese Ausstellung die Handschrift des ganzen Teams.

Neben dem primären Anlass, dem Abschied der Direktorin, bietet eine solche Schau aber auch die Möglichkeit innezuhalten, zurückzuschauen und tief Luft holend darüber zu sinnieren, was man gemeinsam geschafft hat und was möglicherweise noch zu erledigen ist. Die Liste der Anschaffungen zeigt sehr deutlich die Grenzen eines Museums in einer Stadt wie Kaiserslautern auf. Große Anschaffungen sind nur vereinzelt möglich. Doch die Not kann als Tugend verstanden werden, denn so kann ein eigenständiges Profil herausgearbeitet werden.

Man entdeckt herausragende regionale Künstler in der Pfalzgalerie, die es in Köln oder Berlin schwer haben, da ihnen dort das Netzwerk fehlt. Aber auch aus Berlin und dem Rheinland findet man viele weniger bekannte Namen, die andernorts zu Unrecht übersehen werden. Das gleiche gilt für internationale Positionen. Wenngleich einem viele Namen unbekannt sind, so sind die Werke durchgängig auf hohem Niveau. Und mit Leiko Ikemura, Kiki Smith, Imi Knoebel und François Morellet, um nur einige stellvertretend zu erwähnen, sind auch etwas bekanntere Namen dabei.

Britta Buhlmann hat in der Pfalzgalerie einen großen und klar konturierten Fußabdruck hinterlassen. Für den Außenstehenden ergibt sich der – hoffentlich zutreffende – Eindruck, dass unter ihrer Leitung ein hochmotiviertes Team mit viel Freude aus wenig Möglichkeiten viel gemacht hat.

 

 

 

Finale – Director´s Cut
bis zum 8.5.2022
Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern
Museumsplatz 1
D-67657 Kaiserslautern
Tel.: +49-631-3647201
Di 11 – 20 Uhr, Mi – So 10 – 17 Uhr
Eintritt: 5 €
www.mpk.de

Text: Mathias Fritzsche
Bild: Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern
Erstveröffentlichung in kunst:art 83

Über Mathias Fritzsche 92 Artikel
Ein Thema jagt das nächste: Der Wochengipfel hält ein oder zwei Themen fest und bringt sie in Erinnerung. Was war vergangene Woche so wichtig, dass man Schnappatmung bekam und ist diese Woche dennoch schon vergessen? Oder über welche Nachricht hat man sich so gefreut, dass man auf den Balkon ging und die Nachricht für die ganze Welt in den Abendhimmel geschrien hat?