Mit Luft gebaut

4.3. – 18.6.2022 | aut. Architektur und Tirol im Adambräu

Hans-Walter Müller mit seinem Elektroroller im „Ballon transparent“, 2001 (© Hans-Walter Müller / Marie-France Vesperini)

Das aut in Tirol widmet dem Architekten und Ingenieur Hans-Walter Müller eine Ausstellung mit Fotografien, Filmen und Objekten aus seinem mehr als 50-jährigen Schaffen. Der 1935 in Worms geborene Tüftler experimentierte Zeit seines Lebens an aufblasbarer Architektur, unter anderem schuf er ein temporäres Einkaufszentrum, eine zentrale Anlaufstelle für Flüchtlinge, eine Unterkunft für Obdachlose und 1969 eine spektakuläre aufblasbare Kirche mit nur 32 kg Konstruktionsgewicht für 200 Personen.

Seit 1971 lebt Müller ununterbrochen in einem aufblasbaren Haus: Eigentlich auf der Suche nach einem neuen Atelier, wurde ihm ein Grundstück in der Nähe von Paris angeboten, das groß genug für ihn zum Leben und Arbeiten war. Hier untersuchte er seitdem unermüdlich Material auf Reißfestigkeit und Dichte, entwickelte neue Druckluftsysteme, versuchte den Druckverlust an Türen zu minimieren und entwickelte ein Lufthaus mit sechseckigem Grundriss.

In Frankreich lebt Müller seit 1961, seit er von der Technischen Hochschule Darmstadt an die École des Beaux-Arts in Paris wechselte. Hier konnte er seine zweite Leidenschaft, die kinetische Kunst, weiterentwickeln und hatte die Gelegenheit, mit Künstlern wie Salvador Dalí, Jean Dubuffet oder Maurice Béjart zusammenzuarbeiten.

1963 entwickelte er „Genèse 63“, eine kinetische Maschine für motorenbetriebene Licht- und Bild-Projektionen, die er später zur „Maschine M“ weiterentwickelte. Mit seinem umfangreichen Fachwissen, das er sich im Laufe von Jahrzehnten angeeignet hat, entwickelte er sehr leichte aufblasbare Häuser aus Material, das seine Farbe je nach Jahres- und Tageszeit verändert und somit eine einzigartige Atmosphäre schafft.

Müller verfolgte nicht nur als Ingenieur zielstrebig seine Visionen, mit seinen Projekten machte er auf soziale Not wie der Obdachlosigkeit oder Fluchtbewegungen aufmerksam und bot flexible Lösungen an.

Müller nahm an zahlreichen Ausstellungen teil, die Titel tragen, die so spannend sind wie sein Leben und sein Werk: „Aufblasbare Struktur von 900 Quadratmetern“, „der Frühling im Winter“ (1997) oder „Dreidimensionale Struktur und linsenförmiger Körper aus Luft“ (1985). Mit seiner aktuellen Ausstellung „Ich habe die Schwerkraft schon verlassen“ im aut Tirol ist Hans-Walter Müller mal wieder sich selbst treu geblieben. Eigens für die Ausstellung hat der Ingenieur ein Volumen mit Ton und Projektion entwickelt. Man kann gespannt sein auf eine außergewöhnliche Schau voller innovativer Ideen.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation von Robert Stürzl auf Deutsch, die sich mit dem Leben von Hans-Walter Müller befasst.

 

 

 

 

Hans Walter Müller. Ich habe die Schwerkraft schon verlassen
4.3. – 18.6.2022
aut. Architektur und Tirol
im Adambräu/Südbahnstr.
Lois-Welzenbacher-Platz 1
A-6020 Innsbruck
Tel.: +43-512-571567
Di – Fr 11 – 18 Uhr, Sa 11 – 17 Uhr
Eintritt frei
www.aut.cc

Text: Karin Gerwens
Bild: aut. Architektur und Tirol im Adambräu
Erstveröffentlichung in kunst:art 84