Aus dem Dunkel

12.2. – 10.4.2022 | Haus am Lützowplatz

Anna Ingerfurth, 36 2021, 2021

Die Ausstellung klingt nach Rock. Kein Wunder, denn zusammen mit der Malerin Katharina Schilling ist Jim Avignon der andere Kurator. Er hat sich mit seiner Malerei auch in der Berliner Clubkultur einen Namen gemacht. „Never mind the burnout“ erinnert daher wohl nicht zufällig an ein ikonisches Album der Sex Pistols, in der Selbstbeschreibung taucht ein Bezug zu Curt Cobain auf, in dessen Abschiedsbrief es heißt: „It’s better to burn out, than to fade away.“ Die Älteren kennen diese Sentenz noch von Neil Young. Auch ihm ging es um eine grundlegende Sinnfrage, als er diesen Satz im letzten Stück seines Albums „Rust Never Sleeps“ verwendete, als Reprise am Ende des Albums, aber einen Ton tiefer, mit verzerrter Gitarre und im Text direkt an Johnny Rotten von den Sex Pistols gewandt.

Dieser Ausflug in die Rockgeschichte deutet die endzeitlich verzweifelte Stimmung an, die unter Kunstschaffenden nach zwei Jahren Pandemie mit entsprechenden Maßnahmen herrscht. Die einen reagieren mit punkigem Trotz, andere mit tiefergestimmter Melancholie auf die gemeinsame Erkenntnis, dass es so nicht mehr lange weitergeht. Es hat sich eine Müdigkeit ausgebreitet, die für die Gefühlslage der ganzen Gesellschaft tonangebend geworden ist. Die gelieferte „Pizza Nikotina“, die Justina Los in Keramik gearbeitet und in der obersten Schachtel eines ganzen Stapels serviert, erzählt nicht mehr von angenehmer Bequemlichkeit. Schlaff und mit abgebrannten Kippen belegt hängt sie durch wie das ganze Kulturleben. Die Arbeiten am Lützowplatz sind da mit ihrer Botschaft, dass auch in solchen Zeiten Kunst bereichernd sein kann, allerdings schon wieder Teil einer Lösung.

 

 

never mind the burnout
12.2. – 10.4.2022
Haus am Lützowplatz
Lützowplatz 9
D-10785 Berlin
Tel.: +49-30-2613805
Di – So 11 – 18 Uhr
Eintritt frei
www.hal-berlin.de

Text: Jan Bykowski
Bild: Haus am Lützowplatz
Erstveröffentlichung in kunst:art 84