Schönheit und Zerbrechlichkeit

19.6. – 16.10.2022 | Kunstmuseum Ahlen

Marta Klonowska, Koi after Utagawa Hiroshige, 2021, Court. the artist und lorch+seidel contemporary, Berlin

Passend zum internationalen Jahr des Glases 2022 widmet sich das Kunstmuseum Ahlen dem grazilen und besonderen Medium. “Fragile – Alles aus Glas!“ erkundet als groß angelegte Sonderausstellung Grenzbereiche des Skulpturalen. Die Ausstellung zeichnet gesellschaftliche Umbrüche anhand von rund hundert Exponaten nach, mit vorwiegend zeitgenössischem Schwerpunkt. Der Überfluss der Vorkriegsjahre etwa prägte bizarre Gläser, welche skulptural, doch funktional eine mondäne Esskultur verewigten. Facetten zwischen Schönheit und Verletzung wie eine Arbeit, welche vor Ort mit einem Hammer zerschlagen wird, sind Teil der Schau. Filigran und zart wirken die vom Amorphen in Skulpturales erstarrten Arbeiten. Robust und tragfähig präsentiert sich das im Herstellungsprozess herausfordernde Medium in Falconniers Werk „Glasbaustein“.

Splitterartig zusammengesetzt wirkt Isa Melsheimers „Hablik 3“ (2009) und verweist damit auf die Zerbrechlichkeit des Materials. Aller ausgestellten Schönheit des Glases entgegen steht erschreckend und beklemmend die unter dem Eindruck des im Syrien-Konfliktes eingesetzen Nervengiftes entstandene Installation Louisa Clements. Als raumfüllende Bodenarbeit funkeln schwarze Glassteine, in welchen das Gift dauerhaft gebunden ist, und mahnt schrecklichste zeitgenössische Kriegsverbrechen an. Die Sonderausstellung zeigt eindrücklich, wie vielfältig Glas eingesetzt werden kann und wie ein und dasselbe Material zugleich Fragilität wie Stärke repräsentiert.

 

 

 

Fragile. Alles aus Glas. Grenzfälle des Skulpturalen
19.6. – 16.10.2022
Kunstmuseum Ahlen
Museumsplatz 1 / Weststr. 98
D-59227 Ahlen
Tel.: +49-2382-91830
Mi – Sa 15 – 18 Uhr, So 11 – 17 Uhr
Eintritt: 6 €, erm. 4 €
www.kunstmuseum-ahlen.de

Text: Johanna Bayram
Bild: Kunstmuseum Ahlen
Erstveröffentlichung in kunst:art 85