Genie des abstrakten Expressionismus

23.4. – 30.10.2022 | Kunsthalle Krems

Helen Frankenthaler, Beginnings, 1994, © 2022 Helen Frankenthaler Foundation, Inc., Foto © R. Akin

Die Gemälde von Helen Frankenthaler sind oft groß und in leuchtenden Farben gemalt. Neben dem Arbeiten auf Leinwand war das Malen auf Papier für sie eine Möglichkeit, Neues auszuprobieren. Bisher wurde das Werk der Künstlerin, die zu den wichtigsten Vertretern des abstrakten Expressionismus des 20. Jahrhunderts zählt, nur selten umfassend im deutschsprachigen Raum vorgestellt. Die Kunsthalle Krems präsentiert eine Auswahl aus den einzelnen Schaffensphasen der Amerikanerin, bei der 74 Arbeiten auf Papier 10 Gemälden gegenüber gestellt werden. Es ist die erste große Schau der Künstlerin in Österreich, die in Kooperation mit dem Museum Folkwang in Essen entstand. In Deutschland wird sie ab Anfang Dezember zu sehen sein.

Helen Frankenthaler (1928–2011), deren Mutter deutschstämmig war, besuchte unter anderem von 1947 bis 1949 die Arts Student League of New York. 1950 nahm sie bei Hans Hofmann Privatunterricht. Der im bayerischen Weißenburg geborene Künstler, dessen Arbeit vor der Emigration in die USA von einer Mischung aus Fauvismus und Kubismus bestimmt war, wendete sich in der Wahlheimat voll und ganz dem abstrakten Expressionismus zu. Seine in New York ansässige Kunstschule hatte somit einen großen Einfluss auf die neue Kunstrichtung.

Untrennbar mit dem abstrakten Expressionismus verbunden ist der Maler Jackson Pollock, der sich mit der Ausrichtung des Action Painting einen Namen in der Kunstszene machte. Ihn lernte Frankenthaler in den 1950er-Jahren kennen, ebenso wie Robert Motherwell. Von beiden Künstlern ließ sie sich inspirieren. Besonders angetan war sie von Pollocks Action Painting. Sie trug verdünnte Ölfarbe auf die liegende ungrundierte Leinwand auf. Durch die Schwerkraft der Farbe, die nach unten läuft, erwecken die Arbeiten am Ende den Eindruck, dass sich die Farbe und der Untergrund vereinen würden. Die so entstandenen abstrakten Gebilde entwickelte die Künstlerin weiter und fand ihren eigenen Stil. Sie löste damit die Bewegung der Farbfeldmalerei aus. Bei der Farbfeldmalerei sind Untergrund und die verschmolzenen Farben eins und der als Farbfeld konzipierte Bildraum scheint sich über die Ränder der Leinwand fortzusetzen.

Aus der Bekanntschaft mit Robert Motherwell, den sie 1957 kennenlernte, wurde mehr und sie heirateten ein Jahr später. 1959 war Frankenthaler in Kassel auf der documenta II vertreten. 1971 wurde die Ehe mit Motherwell geschieden. Bis in die späten 1980er-Jahre lehrte sie an verschiedenen Institutionen, unter anderem an der Yale University.

In einer von Männern dominierten Künstlerwelt setzte sich Frankenthaler international mit Erfolg durch. Die Faszination für Frankenthaler im Abstrakten rührte daher, dass etwas Unvorhergesehenes auf der Leinwand entstand. Kontrollieren lässt sich das Verlaufen der Farben nicht, vielmehr entwickelt sich so ein Eigenleben. So sind in der Schau Arbeiten zu sehen, die an Landschaften erinnern, und andere, die abstrakt sind.
Hauptleihgeber für die Ausstellung ist die Helen Frankenthaler Foundation in New York.

 

 

 

Helen Frankenthaler. Malerische Konstellationen
23.4. – 30.10.2022
Kunsthalle Krems
Museumsplatz 5
A-3500 Krems an der Donau
Tel.: +43-2732-908010
Di – So 10 – 18 Uhr
Eintritt: 10 €, erm. 9 €
www.kunsthalle.at

Text: Nadja Naumann
Bild: Kunsthalle Krems
Erstveröffentlichung in kunst:art 85