Ein Kommentar von Mathias Fritzsche
Wenn man mit Verantwortlichen in Museen über die Besucher-Struktur redet, dann wird man immer wieder auf zwei Punkte aufmerksam gemacht. Es sind, und das ist der erste Punkt, vor allem Kinder und Menschen über 50, die regelmäßig ins Museum gehen. Eine Entwicklung, die inzwischen ähnlich bei Kinos zu beobachten ist. Und, das ist der zweite Punkt, die über 50-Jährigen, die älter werdend wieder ins Museum gehen, waren fast alle auch in ihren Kindheitstagen im Museum. In der Zeit der beruflichen und familiären Entwicklung, also von etwa 20 bis mindestens 50 Jahren, ist die Quote der Museumsgänger extrem niedrig.
Übereinstimmend berichten fast alle, dass diejenigen, die als Kinder und Jugendliche nicht ins Museum gingen, auch als Erwachsene nicht mehr damit anfangen. Oder anders ausgedrückt: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.
Damit zeigt sich die langfristige Bedeutung davon, dass in den Museen gezielt ein Kinder- und Jugendprogramm angeboten wird und dass sich auch Schulen darum bemühen, dass die Kinder und Jugendlichen mit der Schule ins Museum gehen.
Internationale Studien belegen diese Beobachtung aus Museen. Sowohl in den USA als auch in Großbritannien zeigen Studien, dass frühe Besuche von Museen, Theatern und Performances die Bindung und das Interesse auch in späteren Lebensabschnitten deutlich erhöhen. Natürlich ist das nicht deterministisch, weder in die eine noch in die andere Richtung. Aber dieser eine Punkt gilt als der stärkste Prädiktor für ein späteres Interesse.
Sicherlich ist die Erfahrung, die man im Kindesalter macht, noch prägender als das, was man mit 18 Jahren macht. Doch selbst in dem Alter sollte noch ein Einfluss messbar sein. Der Kulturpass für 18-Jährige ist also ein Instrument, mit dem Jugendlichen der Weg zur Kultur leichter gemacht wird.
Den Kulturpass gibt es seit 2023, also jetzt erst im dritten Jahr. Er wurde vom Bundestag ins Leben gerufen und mit ihm bekam jeder, der im betreffenden Jahr 18 Jahre alt wurde, ein persönliches Guthaben über zuerst 200 Euro, später dann 100 Euro. Das Guthaben wurde nicht ausgezahlt, sondern mit ihm konnten die jungen Erwachsenen Kulturangebote per spezieller App bezahlen. Das reicht von Büchern über den Musikfachhandel bis hin zu Kino, Theater, Konzerten und Museen.
Ziel des Kulturpasses war es einerseits, jungen Erwachsenen einen Anreiz zu geben, auf dass diese sich Kulturangebote leisten können. Andererseits sollte auch die Kultur gestärkt werden, da sie unter Corona besonders gelitten hatte.
Für Frankreich, wo es den sogenannten pass Culture schon etwas länger als in Deutschland gibt, sind erste Studien vorhanden. Demnach wird der pass Culture von sehr vielen angenommen (von circa 84% ist die Rede), allerdings ist der Betrag für 18-jährige auch höher als in Deutschland. Zuerst waren es 300 Euro, jetzt sind es immerhin noch 150 Euro. Negativ ist allerdings, dass sich das Nutzungsverhalten der jungen Erwachsenen kaum verändert hat, es wurden eher gewohnte Nutzungen verstärkt. Ein Großteil des Betrags geht auch in Frankreich in den Buchhandel.
Dieser Kulturpass wird nun in Deutschland abgeschafft. Der Bundesrechnungshof sieht rechtliche Bedenken, da der Bund in Deutschland nicht für Kultur zuständig sei, sondern Kultur Ländersache ist. Das Projekt der Ampel scheint allerdings dem Kulturstaatsminister Wolfram Weimer auch keine Herzensangelegenheit zu sein.
Ist ja auch ein guter Tausch für die 18-Jährigen: Statt Kulturgeld vom Staat, so schien es wohl der Plan der CDU zu sein, sollten sie eine tolle Lotterie bekommen. Wenn da nicht Freude aufkommt!