Konkrete Kunst im Kunstpalais Erlangen

17.05. - 28.9.2025 | Kunst­pa­lais Erlangen

Donald Judd, Blau auf Papier, 1961–69

Konkret, sinnlich

Mit ihrem Enthusiasmus für konkrete Kunst kann Amely Deiss, Kuratorin der Ausstellung „ganz konkret 2“, begeistern. Konkrete Kunst, das hört sich blockhaft an, erinnert an Abstraktion. Jedoch wollte Theo van Doesburg 1930 mit dem Begriff „Konkrete Kunst“ eine klare Abgrenzung zu anderen Formen der Abstrakten Kunst schaffen – konkret bedeutet Farbe, Form und Raum, also eigentlich eine sehr sinnliche Angelegenheit.

Mit „ganz konkret2“ wird dem Betrachter in fünf Räumen eine neue Perspektive aufgezeigt, gibt man ihm die einmalige Möglichkeit, konkrete Kunst zu erleben und zu erspüren, sich auf einer emotionalen Ebene auf die Arbeiten einzulassen. Statt eines didaktischen Aufbaus werden Werke in Beziehung gesetzt. Die Ausstellung soll den Besucher „zurückwerfen auf das eigene Empfinden, auf eine Aufmerksamkeit, die funktioniert, ohne dass man schon ganz viel darüber wissen muss”, so Deiss.

Mit Arbeiten aus der eigenen Sammlung sowie Leihgaben aus Ingolstadt, Privatsammlungen, dem HFG Archiv in Ulm und von ausgestellten Künstlern stellt die Kuratorin eine Schau zusammen, die Parallelen und interessante Beziehungen aufbaut, Reibungspunkte oder Interaktion zwischen verschiedenen Werken zeigt. So werden Arbeiten zusammengeführt, die nicht in der gleichen Zeit entstanden sind, oder unterschiedliche Ideen in sich tragen, und die dennoch auf interessante Weise miteinander kommunizieren. Zudem macht die Ausstellung deutlich, wie intensive konkrete Kunst noch heute künstlerisches Schaffen in vielen Bereichen beeinflusst.

Der erste Raum ist der Minimal Art gewidmet. Auf einem sanft-grauen Hintergrund präsentieren sich schwarz, weiss und rote Werke von Donald Judd sowie Kunst von Kay Walkowiak, der auf humorvolle Art mit dem Erbe des Minimalismus und Suprematismus spielt und dies in spannenden Videoarbeiten umsetzt, bis hin zum “Esswerk” von Dieter Hacker.
Als Dreh- und Angelpunkt der Ausstellung präsentiert sich im nächsten Raum ein Werk von Marco Stanke. In „Teile“ wird das klassische Medium Bild dekonstruiert und als Keilrahmen, Leinwand und Farbe in neuen Formen arrangiert.

Raum 3 beschäftigt sich mit Konkreter Kunst in der Gestaltung, der Reduktion von Farbe und Form, im Alltag angewendet. Von Vasarelys Renault-Logo über die Aldi-Tüte bis zum Logo der Sparkasse von Otl Aicher wird gezeigt, wie sehr die Idee der Konkreten Kunst unseren Alltag durchdringt.

Raum 4 ist der Farbe gewidmet, mit Josef Albers dem Meister der Farb-Form- und Farb-Farb-Beziehungen und seiner „Interaction of Colour“-Theorie, kontrastiert durch Künstler wie dem Brasilianer Rafa Silvaris, einem der wenigen Vertreter der gegenständlichen Kunst in der Ausstellung, oder Werken von Dorothee Maurer-Becker.

Im letzten Raum gibt es zwei zeitgenössische Werke. Die „Correlating Bodies“ von Diana Galli, die zum Umarmen einladen und dabei mit Farbe, Form und Duft unsere Sinne anregen. Dem stehen Werke von Roman Lang gegenüber.
Mit der Schau ist Deiss ein Sequel gelungen, das den Besucher tiefer eintauchen lässt und hilft, die sinnliche Seite der Konkreten Kunst zu erfahren.

Liane Wendt lebt derzeit in Australien und managt ein Kunst- und Kulturzentrum für indigene Kunst in den Kimberleys. Die außergewöhnliche Kunst der Wandjina-People ist gegenständlich im Vergleich und Spiel mit Form und monochromem Hintergrund.

ganz konkret 2. noch mehr Form, Farbe & Raum
17.05. – 28.9.2025
Kunst­pa­lais Erlangen
Markt­platz 1
D-91054 Erlangen
Tel.: +49-9131-862735
Di – So 10 – 18 Uhr
Eintritt: 6 €, erm. 3 €
www.kunstpalais.de

Text: Liane Wendt
Bild: Kunst­pa­lais Erlangen
Erstveröffentlichung in kunst:art 104