William Kentridge in Cottbus

27.8. – 9.11.2025 | Dieselkraftwerk Cottbus

William Kentridge, Drawing for Self-Portrait as a Coffee Pot, o.J.

Alltägliches Objekt

Schließe dich im Atelier ein und zeichne eine Kaffeekanne. Immer wieder, Tag für Tag, bis dieser gewöhnliche Gegenstand zu einem Selbstporträt wird – zu einem Avatar, um deine Geschichte zu erzählen. So entstand das Selbstporträt als Kaffeekanne, ein Projekt des südafrikanischen Künstlers William Kentridge (* 1955). Den Kern der Kabinettausstellung bilden die neun Episoden, die zwischen 2020 und 2024 gedreht wurden, neben den Kohlezeichnungen, die die filmische Collage erst hervorgebracht haben: mehr als siebzig Werke auf Papier. Die Wände des Ateliers werden zu einem Storyboard. Der Arbeitsraum des Künstlers wird nicht nostalgisch neu interpretiert. Er erscheint als mentale Werkstatt, in der alles im Fluss ist.

Und die Kaffeekanne? Sie ist überall: untersucht, debattiert, interpretiert, bis sie eine Metapher für den kreativen Prozess selbst wird. Kentridge: „Beim Zeichnen erwartet man nicht, dass dabei die Art logischen Denkens herauskommt, wie eine juristische Argumentation sie hat.“ Kentridge gestaltete sein Selbstporträts aus verschiedensten Papierstücken: einer Inventarliste von 1907, einem historischen Aufsatz in lateinischer Sprache, Buchseiten eines Lexikons, einem Straßennetz und der Konstruktionsgrafik für eine Maschine. Sie fügen sich zu einer schematischen Gestalt mit Füßen, Händen und nun mit der Kaffeekanne als Kopf. Der Künstler räsoniert selbstironisch über Inhalte, Wirkmächtigkeit, Bezugssysteme und die Sinnhaftigkeit von Kunst als welthaltiger Arbeit.

William Kentridge. Self-Portrait as a Coffee Pot
27.8. – 9.11.2025
Dieselkraftwerk Cottbus
Uferstr./Am Amtsteich 15
D-03046 Cottbus
Tel.: +49-355-49494040
Di – So 11 – 19 Uhr
Eintritt: 4 €, erm. 3 €
www.blmk.de

Text: Stefan Simon
Bild: Dieselkraftwerk Cottbus
Erstveröffentlichung in kunst:art 104

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