
Von ungenierter Einfachheit
In diesem Jahr wäre Heinz Gappmayr (1925–2010) 100 Jahre alt geworden – Anlass allemal, dem bedeutenden österreichischen Künstler von internationalem Renommee eine Ausstellung zu widmen. Der öffentliche Raum Innsbrucks wird zur Ausstellungsfläche. Bis Ende September sind an 10 Standorten 10 Werke des ebendort geborenen Künstlers aus mehreren Dekaden zu sehen: Zu den frühen Arbeiten aus den 1960er-Jahren zählen etwa „IST WIRD (IS WILL BE)“ an der Hofkirche, „LINIE (LINE)“ am aut. architektur und tirol sowie „KLAMMERN (BRACKETS)“ am Tirol Panorama – das späteste Werk von 2005, „ALLES NICHT SICHTBARE (EVERYTHING NOT VISIBLE)“, präsentiert sich an der Fassade von obermoser + partner architekten.
Allen Arbeiten gemein ist das Spiel mit vertrauten Reihenfolgen an Zahlen und Buchstaben, die für einen kurzen Moment ad absurdum geführt werden. Die Verobjektivierung von Zeichen in ihrer rein auf Schwarz oder Weiß reduzierten Präsenz ist ein weiteres stilprägendes Merkmal. Die gewohnte Linearität und Folgerichtigkeit von Mathematik und unserer Sprache wird durch simple Mittel irritierend unterbrochen, sodass die visuelle Präsentation von Ziffern und Buchstaben im Dialog mit architektonischen Strukturen zum wesentlichen Phänomen für die künstlerischen Konzepte Gappymayrs avanciert. Er erhebt Sprache selbst zum Gegenstand der Kunst und findet in seinen Raum- und Fototexten zu einer ganz eigenen, sehr verdichteten, visuellen Poesie – von unverschnörkelter Einfachheit und geballter Wirkungskraft.
Heinz Gappmayr. 100
4.7. – 28.9.2025
Tiroler Landesmuseen
Die Kunstwerke sind im öffentlichen Raum zu sehen. Daher gibt es weder Öffnungszeiten noch Eintritt. Weitere Infos unter:
www.tiroler-landesmuseen.at
Text: Paula Wunderlich
Bild: Tiroler Landesmuseen
Erstveröffentlichung in kunst:art 104






