
Aus Samt und Seide
Wer den rosafarbenen Palast der Winde im nordindischen Jaipur mit seinen fünf Stockwerken und mit ihren 953 kleinen Fenstern bewundert, könnte sich fragen, wie sich in solch einem Gebäude die Hitze Rajasthans ertragen lässt. Doch die Bauart ist derart raffiniert, dass eine ständige Zirkulation der frischen Luft den Aufenthalt in diesen Räumlichkeiten ermöglicht. Und natürlich ist es empfehlenswert, Kleidung aus leichten Stoffen zu tragen. Der Hawa Mahal, wie er auf Hindi heißt, wurde mit seiner kunstvollen Fassade 1799 erbaut. Dieser Zeit widmet sich auch die Ausstellung der Stiftung Abegg anhand von kunstvoll gefertigten Stoffen. Die Stiftung hat sich dem Sammeln gewebter Textilien vom Altertum bis zum Barock verschrieben. Nun zeigt sie kunstvoll gemusterte Seidengewebe und mehrfarbige Samte aus der Zeit der Mogul-Dynastie (1526–1858). Damals erlebte Indien eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. Für die zahlreichen Fürstenhöfe des Reiches entstanden kostbare Stoffe für Kleidung und Innendekoration. Wegen des tropischen Klimas blieben in Indien jedoch nur wenige Textilien aus jener Epoche erhalten.
Umso verdienstvoller ist diese Ausstellung. Sie zeigt unter anderem einen Teppich aus Samt, Seide und Metallfäden, der von eingewanderten persischen Meistern Anfang des 17. Jahrhunderts mit ornamentalen Mustern gewebt wurde. Auch Szenen aus dem Leben der Mogul-Kaiser und der hinduistischen Mythologie wurden von höfischen Künstlern in farbenfrohen Miniaturmalereien festgehalten, so zum Beispiel Kaiser Akbar auf einer Jagdexpedition, entstanden 1595–1600.
Die Blütezeit Indiens
27.04.- 9.11.2025
Abegg-Stiftung
Werner Abeggstr. 67
CH-3132 Riggisberg
Tel.: +41-31-8081201
Täglich 14 – 17:30 Uhr
Eintritt: 10 CHF, erm. 5 CHF
www.abegg-stiftung.ch
Text: Dr. Milan Chlumsky
Bild: Abegg-Stiftung
Erstveröffentlichung in kunst:art 104





