
Galerie Andreas Binder
Stefan Hunstein (* 1957) hinterfragt in seiner neuen Werkreihe den Wahrheitsanspruch der Fotografie im Zeitalter künstlicher Intelligenz. Unter dem Titel „Der Rest ist Poesie“ knüpft er an sein 1991 verfasstes „Fotografisches Manifest“ an, in dem er forderte: „Statt Dokumentation Fiktion, statt Sichtbarem Unsichtbares, statt Fotos Poesie.“ Drei Jahrzehnte später wird dieser Gedanke aktueller denn je. KI hat die Fotografie grundlegend verändert – das Bild ist kein Abbild der Realität mehr, sondern eine Konstruktion. Hunstein beschreibt diesen Wandel als „Übertritt“: Der reale Moment verschwindet, übrig bleibt Oberfläche und Poesie. In seiner Arbeit „Ein Übertritt“, inspiriert von einem Text von Elfriede Jelinek, lässt Hunstein eine KI aus Sprache Bilder erzeugen.
Die scheinbar fotografischen Szenen entstehen allein aus Worten – traumartige Räume, in denen Denken, Erinnerung und Geschichte ineinanderfließen. Mit der Serie „Fairy Tales“ untersucht Hunstein das Verhältnis von Bild und Text. Jedes Werk kombiniert ein imaginäres Märchenmotiv mit einem poetischen Satz, wodurch sich Bedeutung und Wahrnehmung verschieben: Das Auge liest, der Verstand sieht. In „Der Traum vom Eis“ widmet er sich der Polarlandschaft als Ort zwischen Wirklichkeit und Erinnerung. Seine neuen Eisbilder sind keine Dokumente, sondern transformierte Visionen – Projektionen einer verschwindenden Welt. Realität und Traum, Natur und Vergänglichkeit verschmelzen zu einer stillen, poetischen Meditation über das Sehen selbst.
Stefan Hunstein. New Works
14.11. – 20.12.2025
Galerie Andreas Binder
Knöbelstr. 27
D-80538 München
Tel.: +49-89-21939250
Di – Fr 11 – 18 Uhr, Sa 11 – 15 Uhr
Eintritt frei
www.galerieandreasbinder.de
Text: Stefan Simon
Bild: Galerie Andreas Binder
Erstveröffentlichung in kunst:art 106





