Zentrum für Politische Schönheit errichtet Lübcke-Denkmal vor CDU-Zentrale

Das Berliner Aktionskollektiv hat eine Bronzestatue des 2019 ermordeten Politikers vor dem Konrad-Adenauer-Haus aufgestellt. Die CDU reagiert empört, doch die Installation ist offiziell genehmigt.

In der Nacht zum Dienstag ließ das Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) eine lebensgroße Bronzefigur von Walter Lübcke auf einer Grünfläche am Landwehrkanal installieren, unmittelbar gegenüber der Berliner CDU-Bundeszentrale. Das Bezirksamt Berlin-Mitte hatte zuvor eine Sondernutzungsgenehmigung für zwei Jahre erteilt, wobei eine Verlängerung um ein weiteres Jahr möglich ist. Die Statue, gefertigt vom anonymen Bildhauer Mohamed Smith, zeigt Lübcke lächelnd mit Brille und Schnurrbart, am Revers trägt die Figur einen Pin mit der Aufschrift „Refugees Welcome“.

Auf dem Sockel steht: „Walter Lübcke (CDU). Ermordet am 2. Juni 2019 von einem Anhänger der ‚Alternative für Deutschland‘.“ Neben der Skulptur umfasst das Memorial eine Stahlstele mit der Gravur „Walter-Lübcke-Platz“, eine Bank sowie ein Infoterminal mit Audiobeiträgen zu Leben und Tod des Politikers. Die Produktionskosten beziffert das ZPS auf rund 200.000 Euro, finanziert durch eine Crowdfunding-Kampagne, die bis Dienstagvormittag bereits mehr als 100.000 Euro eingesammelt hatte.

CDU spricht von Instrumentalisierung

Die Partei wies die Aktion entschieden zurück und erklärte, man verwehre sich „gegen die unaufrichtige Instrumentalisierung von Walter Lübcke durch linke Aktivisten“. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner nannte das Vorgehen am Rande der Senatspressekonferenz „absolut geschmacklos“, da mit einem brutal ermordeten Politiker auf diese Art Politik gemacht werde. Michael Brand, CDU-Bundestagsabgeordneter und Parlamentarischer Staatssekretär, der die Familie Lübcke persönlich kennt, forderte die Initiatoren auf, „diese infame Aktion abzubrechen und sich bei der Familie zu entschuldigen“. Die Familie selbst wollte sich nach Medien Anfragen nicht äußern.

Das ZPS hingegen sieht in der Statue eine notwendige Mahnung. Philipp Ruch, künstlerischer Leiter des Kollektivs, bezeichnete Lübcke als „letzten Helden der CDU“ und erklärte, man müsse „die Brandmauer der CDU neu errichten – mit dem Andenken an Walter Lübcke“. Die Aktion steht im Kontext der Debatte um die Bundestagsabstimmung vom Januar 2025, bei der ein CDU-Migrationsantrag erstmals mit Stimmen der AfD eine Mehrheit fand, was Massenproteste und den Parteiaustritt von Michel Friedman nach sich zog.

Erste Zusammenarbeit mit Mohamed Smith

Die Bronzestatue stammt von Mohamed Smith, einem anonymen Guerilla-Künstler, der unter dem Namen „Bremer Banksy“ bekannt wurde und sich auf Skulpturen im öffentlichen Raum spezialisiert hat. Für das ZPS ist es die erste Zusammenarbeit mit einem externen Bildhauer bei einer Großaktion seit der Errichtung des Holocaust-Mahnmals vor Björn Höckes Wohnhaus im Jahr 2017.

Walter Lübcke, seit 2009 Regierungspräsident des Regierungsbezirks Kassel, wurde in der Nacht zum 2. Juni 2019 auf der Terrasse seines Hauses erschossen. Der Täter Stephan Ernst, der Verbindungen zur NPD und zur Neonazi-Gruppierung Combat 18 unterhielt, wurde im Januar 2021 zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Das Motiv war Lübckes öffentliche Verteidigung der Flüchtlingspolitik, die ihn zur Zielscheibe rechtsextremer Hetze gemacht hatte. Am Mittwoch ist die offizielle Eröffnung durch Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger geplant, am Freitag folgt eine Gedenkveranstaltung mit Michel Friedman als Hauptredner.

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